Studie: Digitalisierung scheint (immer noch) keine Chefsache

In einem Jahr passiert viel. Sollte man denken. In deutschen Chefetagen scheint jedoch ein ordentlicher Dornröschenschlaf vorzuherrschen. Anders ist es nicht zu erklären, dass eine im Aufrag von Lufthansa Industry Solutions erstellte Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Lünendonk den digitalen Reifegrad führender Branchen noch fast genauso bewertet, wie ein aggregierter Studienbeitrag den wir bereits vor einem Jahr mit Erschrecken auf unserem Blog gepostet haben.

Stellt man Technologielenkern aus 103 deutschen Firmen die Frage „Digitalisieren Sie schon?“, so kann man fast davon ausgehen, dass ein „Nein“ die wahre Antwort ist. Dabei machen die Ergebnisse der Studie eines sehr deutlich: die Themen Datenanalyse und- Nutzung, Wahrnehmung durch Vorstände und Kooperationsoptionen sind immer noch nicht erkannt worden.

Beleuchtet man die Frage der Digitalisierung in Unternehmen hat man es vorwiegend mit CIOs und IT-Managern zu tun. Der Bereich Digitalisierung ist Hoheitsgebiet der IT-Spezialisten. Der Chef übergibt die Verantwortung an die IT-Leitung. Nut 9% der Geschäftsführer und Vorstände antwortete selbst.

Lünendonk Luftansa Systems Solution Studie 2016 CIOs

Der Studienleiter Peter Buhmann sieht dies als Problem. „Dass die digitale Agenda Chefsache sein sollte, ist auch eines der Ergebnisse der Befragung von 40 Führungskräften, die ich im Sommer (des Jahres 2015) durchgeführt habe“. Interessanterweise zeigt die Studie jedoch, dass auch die Unternehmen Digitalisierung in einer zentralen Unit verorten (hier war ein Autokorrekt-Fehler und es stand „verrotten“, was aber auch irgendwie passte).

Oft es ist die IT, die den Ton angibt. 84% der befragten IT-Leiter treiben in ihren Unternehmen die Digitalstrategie „immer“ bzw. „oft“ voran – in der Automobilindustrie sogar 97%. Bei 62% ist das Topmanagement „oft“ federführend bei der Digitalisierungsstrategie.

Eine Herausforderung, die auch uns in diversen Projekten begegnet ist, das gerade mal 27% rechtzeitig Datensicherheit oder Integrationsfähigkeit berücksichtigen. Auch sind es nur 30%, die die IT-Abteilung frühzeitig in Digitalisierungsprojekte integriert.

Was viele Unternehmenslenker immer noch nicht verstanden haben ist, dass Digitalisierungsstrategien nicht einer Abteilung gehören sondern die Betreffe des gesamten Unternehmens, seiner Mitarbeiter und aller Produkte und Prozesse ist. „Eine erfolgreiche digitale Transformation setzt voraus, die Möglichkeiten moderner Technologien, wie Cloud Computing, Mobile, Sensorik, Data Analytics oder Robotics und 3D-Druck, intelligent zu Prozess-, Produkt- und Serviceinnovationen zu kombinieren“, kommentiert Bernd Appel die Ergebnisse von Lünendonk.

Interessanterweise sind Unternehmen im Bereich Mobile dann doch ganz gut aufgestellt. Derzeit geben 67% der Befragten ihren Mitarbeitern mobile Zugriffe von unterwegs auf unternehmensrelevante Kernprozesse. Dagegen stecken die Unternehmen in Bezug auf Social Business Collaboration noch in den Anfängen. Nur 52% der Digitalverantwortlichen ermöglichen ihren Mitarbeitern effizientes Arbeiten beziehungsweise Kommunizieren miteinander mittels moderne Kollaborationstechnologien.

Auch wenn die Lünendonk- und Lufthansa Industry Solutions Studie Lippenbekenntnisse macht, zugunsten diverser Anpassungen bei Themen wie Industrie 4.0, Social Business Optionen sowie der mobilen Zugriffe zu machen, so zeigt sich aus unserer Erfahrung, dass der „Digitalisierungsteufel“ im Detail steckt. Denn solange Unternehmenspolitik, -kultur und kleine Hierarchiespielchen vorherrschen, wird die Digitalisierung an einer dieser Hürden bei Chefs immer wieder hängen bleiben und stolpern.

Lünendonk Luftansa Systems Solution Studie 2016 Strategien

Da kann man noch so stolze Ambitionen mit der Digitalisierung in Richtung Umsatzsteigerung, Marktposition und Fachkräfte haben. Wo in einem digitalen Wachstumsmarkt das Training der Mitarbeiter fehlt, werden sich Prozesse nur bedingt anpassen und auch die Kunden wenig von einer kundenzentrierten Unternehmensstrategie spüren. Chef hin, Chef her.

Dieser Post entstand in Zusammenarbeit mit dem HP Business Value Exchange Blog.

Share
This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

Hinterlassen Sie einen Kommentar