Digital Publishing verspricht Umsatzwachstum für Verlage

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Ja, es gibt sie zuhauf und sie werden zunehmend von Konsumenten genutzt. Die Rede ist von digitalen Ausgaben von eBooks, Zeitschriften, Zeitungen für Tablet-PCs und Readers. Auch wenn hierzulande die Umsätze mit digitalen Verlagsprodukten noch weit hinter den Erwartungen liegen, das Digital Publishing ist nicht mehr aufzuhalten.

Das derzeitige Wachstum ist von der Durchdringung der Tablets wie Kindle und Kobo getrieben. Dies bestätigten Analysten kürzlich für den UK-Markt, für den im September 2012 neueste Zahlen zum Umsatz von eBooks vorlagen. Dort verzeichnen die Umsätze ein Wachstum von 6.1 Prozent Jahr für Jahr und erreichten 66 Millionen Pfund oder 105 Millionen Dollar in den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 (Publisher Association). Damit sichern sich eBooks bereits einen Anteil von 13 Prozent am Gesamtumsatz, im Vorjahr waren es lediglich 7,2 Prozent.

„The figures demonstrate the increased penetration of e-readers, and have been facilitated by publishers making more content available digitally,” so Richard Mollet, Chief Executive der Publishers Association, welche die Publisher in UK repräsentiert. (Zitat aus ‚The Globe and Mail‘)

Und ein Ende des Wachstums scheint nicht in Sicht. Mit dem Launch des Kindle fire und einem möglichen iPad mini sehen die Analysten weiteren Spielraum für Umsatzsteigerungen in dem Segment, insbesondere in der Vorweihnachtszeit. Barnes & Nobles will zum Beispiel im Herbst einen eigenen eBook-Reader auf den Markt bringen. Es stellt sich jedoch die Frage, ob mit diesen Maßnahmen ein Wachstum des Gesamtumsatzes zu erwarten ist, oder ob es sich lediglich um eine Umverteilung im Buchgeschäft handelt.

In Deutschland hat sich der eBook Umsatz ebenfalls verdoppelt. Jedoch rentiert es sich derzeit für die wenigsten Verlage und Buchhandlungen. Dies ist einer Meldung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zu entnehmen. 2011 lag der Anteil an ihrem Gesamtumsatz mit eBooks nach Angaben der Verlage durchschnittlich nur bei 6,2 Prozent. Allerdings entwickelt sich das eBook auch in Deutschland als Hoffnungsträger: Die Verlage erwarten einen durchschnittlichen Umsatzanteil der eBooks am Gesamtumsatz ihres Verlags von 17 Prozent im Jahr 2015.

Und in Deutschland sehen die Aussichten für digitale Zeitschriften und Zeitungen auch nicht so schlecht aus. Die Verlage warten zwar noch auf den großen Durchbruch, aber laut einer Studie von PWC gibt es Anlass zur Hoffnung. PWC sieht ebenfalls aufgrund des Siegeszugs der Tablet-PCs für klassische Printmedien hervorragende Chancen zur Erschließung neuer und zur Aktivierung bestehender Kundengruppen. Für fast zwei Drittel der Nutzer von iPad oder ähnlichen Geräten gehört das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften zur Nutzungsroutine.

Gefordert von Seiten der Konsumenten wird aber ein deutlicher Mehrwert für Tablet-Ausgaben. Ein speziell für das Tablet entwickeltes Layout bzw. Bedienkonzept wird als wichtig empfunden und die Einbindung von Videos und anderen multimedialen Elementen ist gefordert. Eine Übersicht über Zeitungen und Magazine, die speziell für Tablets optimierte Layouts vorweisen, hat zum Beispiel das Blog tabletpublishing.mobi veröffentlicht.

Laut den Forschern von PWC sollen Verlage auf Formate setzen, die das technische Potenzial der Tablet-PCs voll ausschöpfen. Bei der Umsetzung von Applikationen sollten sich die Verlage vom starren Format der Printausgabe lösen und den Nutzern Informationen und Services auch über die Textfassung hinaus liefern. Auch wenn das Vorzeigeprojekt von Murdoch „The Daily“, das speziell für das iPad entwickelt wurde, derzeit noch nicht die Erwartungen des Verlages erfüllt, so ist „The Daily“ dennoch ein Beispiel dafür, wie eine Zeitung für das iPad aussehen soll. „The Daily“ ist zwar zum jetzigen Zeitpunkt noch zu überladen und die Downloadzeiten der aktuellen Versionen dauern immer noch zu lange, dennoch wurde bei diesem Objekt auf die Eigenheiten des Tablets in vollem Umfang Rücksicht genommen. Als weitere Vorzeigeprojekte sind Der Spiegel oder das Wired Magazin zu nennen.

Lesen auf digitalen Geräten liegt also im Trend, auch wenn die Umsätze die Verluste aus dem stationären Buchhandel und aus dem Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften noch nicht kompensiert werden können; wahrscheinlich werden sie es auch nicht tun. Verlage sollten dennoch weiterhin mit digitalen Ausgaben experimentieren, um die wachsende Nutzerschaft mit intelligenten Modellen zu überzeugen, wie zum Beispiel mit einem kostengünstigen Kombi-Abo-Modell, bei dem Print und Digitale Ausgabe ohne große Mehrkosten zu erhalten sind. Oder sie setzen voll und ganz auf digitale Ausgaben, so wie es derzeit die Frankfurter Rundschau plant. Und auch bei der seit Jahren defizitären Financial Times Deutschland wird darüber nachgedacht, ob wochentags die Printversion von einer digitalen Ausgabe ersetzt werden soll. Am Wochenende sollen die Abonnenten dann wieder eine gedruckte Zeitung in der Hand halten.

Fazit: Digital Publishing ist nicht aufzuhalten und es ist zu erwarten, dass auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2012 weitere Neuheiten und Innovationen von den Verlagen präsentiert werden. Martin und ich werden dort sein und uns über den aktuellen Stand informieren.

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