WER BLOGGT, BLEIBT! – Folge 4: Das DAIMLER Blog

Vor dreieinhalb Jahren habe ich vom Social Web Breakfast berichtet, indem Uwe Knaus das Daimler Blog vorstellte. Inzwischen haben sich die Zahlen geändert, die Erfolge eingestellt und die allgemeine Begeisterung für das Blog noch mehr gesteigert. Nur eines ist gleich geblieben: Uwe Knaus ist immernoch dort…

Zeit also, mal wieder mit ihm im Rahmen der “Wer bloggt, bleibt!” Reihe des Digitalstrategie-Blogs eine Runde über das Daimler Blog zu plaudern.

Martin Meyer-Gossner Ihr habt eine Vielzahl an Bloggern. Kommen die alle aus dem Unternehmen, und wie kam die hohe Anzahl an Autoren zustande?

Uwe Knaus Ganz einfach: Unsere “Blogger” sind überwiegend Mitarbeiter des Konzerns. Das ist von uns gewollt und garantiert die Authentizität des Blogs. Eine weitere Erklärung liegt wohl in den Inhalten, die unsere Autoren thematisieren. Über das Daimler-Blog wollen wir “Einblicke in einen Konzern” geben – und diese sind vielfältig. Diese Vielfalt bezüglich der Themen sowie der Menschen, die für Daimler arbeiten darzustellen, ist eines der Ziele unseres Blogs und macht diesen sowohl für die Leser als auch für potentielle neue Autoren so interessant. Seit dem Start des Daimler-Blogs im Oktober 2007 haben nun etwas mehr als 400 Autoren insgesamt 650 Artikel veröffentlicht. Bei einer Mitarbeiterzahl von 271.000 ist da also noch Luft nach oben.

Martin Meyer-Gossner Gab es auch mal Fluktuation oder Social Media Müdigkeit? Oder sind die Blogger immer gleichmäßig motiviert geblieben?

Uwe Knaus Zuerst möchte ich kurz erwähnen, dass unsere Mitarbeiter in der Regel keine passionierten Blogger sind, sondern Spezialisten, beispielsweise auf dem Gebiet der Fahrzeugentwicklung, im Produktmarketing, oder im Personalbereich. Wenn die Kollegen neben ihrer Hauptbeschäftigung noch die Zeit finden, interessante Geschichten auf dem Blog zu erzählen, zeugt das von gesteigerter Motivation, denn das Bloggen ist freiwillig und wird zusätzlich zur “normalen” Arbeit erledigt. Insgesamt stellen wir jedoch fest, dass trotz kleiner Fluktuationen (Sommerpause, Ferien, etc.) die Bereitschaft zum Bloggen stetig wächst.

Martin Meyer-Gossner Wie stellt die Unternehmensführung sicher, dass die Qualität der Inhalte hochwertig und dem Image des Unternehmens zuträglich ist?

Uwe Knaus Hochglanz ist Sache der Werbung – Blogs hingegen leben von Authentizität. Angewendet auf unsere Mitarbeiter bedeutet Authentizität, dass deren Handeln nicht durch externe Einflüsse sondern von den Kolleginnen und Kollegen selbst bestimmt werden. Würden wir nun Mitarbeiter auffordern, zu bestimmten Themen zu bloggen, auf die Sie keine Lust oder für die sie keine Zeit haben, käme unter dem Strich auch kein authentisches Ergebnis heraus. Das Blog wäre nichts weiter als ein klassisches Push-Instrument der guten alten PR, nur mit Social Media-Bezug. Zudem ist das Daimler-Blog zwar ein Unternehmensblog, jedoch primär als Mitarbeiterblog konzipiert. Auf der einen Seite gibt es natürlich eine “offizielle Unternehmensmeinung”, etwa bei Finanz-, Strategie- oder Kooperationsthemen. Dafür nutzen wir vor allem klassische Kommunikationskanäle, wie beispielsweise Pressemitteilungen oder die Corporate Website. Auf der anderen Seite hat Daimler wiederum viele Inhalte, die den Weg in die klassischen Medien nicht finden. Dafür eignet sich dann das Daimler-Blog. Es wird in erster Linie von Mitarbeitern geschrieben, wobei die Beiträge deren persönlicher Meinung entsprechen – und die ist nicht unbedingt immer gleichbedeutend mit der offiziellen Unternehmensmeinung.

Martin Meyer-Gossner Welche unternehmerischen Erwartungen hat das Management an das Blog geknüpft?

Uwe Knaus In erster Linie galt es, dem Medienwandel aktiv zu begegnen. Sinkende Auflagenzahlen von Printmedien bei gleichzeitigem Anstieg der Onlinenutzung, verändertes Kommunikationsverhalten durch Web 2.0-Funktionalitäten, steigende Popularität von Social Media und zunehmende mobile Internetnutzung sind nur einige Anzeichen dafür, dass die Medienlandschaft im Umbruch ist. Seit ungefähr 15 Jahren verzeichnen die Tageszeitungen einen langsamen, aber kontinuierlichen Rückgang bei den Auflagezahlen und es gibt kein Indiz dafür, dass sich daran etwas ändern wird. Gleichzeitig erhöht sich die Zeit, in der Menschen online sind und bei ansteigender Nutzung von Social Media auch ihr digitaler Vernetzungsgrad. Dieser Medienwandel führt daher auch zu einem völlig neuen Mediennutzungsverhalten. Das bedingt auch ein Umdenken in den Köpfen der Kommunikationsstrategen. Diese müssen bei der Konzeption ihrer Kommunikationsziele den gesellschaftlichen und medialen Wandel in den komplexen Mix der PR-Instrumente mit einbeziehen. Der Daimler-Blog ist dafür ein gutes Beispiel. Unternehmerische Erwartungen im Sinne von Absatzförderung von Fahrzeugen standen hier aber nie zur Diskussion und werden das auch in Zukunft nicht tun.

Martin Meyer-Gossner Welche Erkenntnisse bietet das Blog intern in Hinsicht auf Customer Insights oder neue Märkte?

Uwe Knaus Dazu ist das Daimler-Blog nicht konzipiert. Hinsichtlich Customer Insights haben wir separate Aktivitäten, beispielsweise die Mercedes-Benz Marktforschungs Community “Stars Insight“, über die auch schon einmal gebloggt wurde.

Martin Meyer-Gossner Welcher (tägliche) zeitliche Aufwand steht hinter dem Corporate Blogging Konzept?

Uwe Knaus Das hängt davon ab, ob es sich lediglich um einen Textbeitrag handelt oder ob zusätzlich Bilder, Videos oder Präsentationen eingebunden sind. Generell versuchen wir jedoch auf vorhandenes Bild- oder Videomaterial zurück zu greifen oder es kostengünstig selbst zu erstellen. Dazu nutzen wir eine Flip Mino HD–Kamera, mit eingebauter Schnittsoftware für weniger als 200 Euro. Bei der Vorstellung des ersten ganzheitlichen Baby-Notarztwagensystems konnten wir bereits drei Stunden nach Ende der Veranstaltung mit dem dazugehörigen Blog-Beitrag – inklusive Video – online gehen. Da waren wir schneller als die meisten klassischen Online-Medien. Und der Aufwand war überschaubar.

Martin Meyer-Gossner Gibt es Erfolge, die ihr mit dem Daimler Blog verzeichnen könnt und welche Ziele wurden -Hand aufs Herz- noch nicht erfüllt?

Uwe Knaus Jeder einzelne Beitrag trägt ein Stück zum Erfolg des Daimler-Blogs bei. Mit der Entwicklung des Daimler-Blogs sind wir sehr zufrieden; dass wir das auch sein dürfen, zeigt auch die Statistik: Wir haben bis zu 40.000 Unique Visitors im Monat und diese bleiben im Durchschnitt 8:23 Minuten pro Besuch. Innerhalb der ersten sieben Tage werden Beiträge durchschnittlich 5.000 Mal abgerufen, wobei Top-Artikel bereits mehr als 30.000 Mal gelesen wurden. Besonders gut funktioniert das Blog als Instrument der Krisenkommunikation. Gerade im Social Web sehen sich die Unternehmen ständig kritischen Interessensgruppen ausgesetzt, was dann nicht selten in einem sogenannten „Shitstorm“ gipfelt. Am Besten eignet sich der Einsatz eines Corporate Blog, wenn sich der Sturm im Social Web gerade formiert. Reagiert
man frühzeitig und adäquat mit einem Posting besteht die Möglichkeit, dass das Issue im Netz bleibt und sich nicht auf die Massenmedien ausdehnt. Hat sich ein Thema ausgebreitet, kann versucht werden, die Diskussion auf dem eigenen Blog und somit an zentraler Stelle zu führen. In sämtlichen Fällen, in denen wir entschieden hatten, dies zu tun, konzentrierte sich ein Großteil der Kommentare bei uns bzw. es wurde an anderer Stelle auf uns verlinkt. Die Diskussion wurde sachlicher und unsere Reaktion auf dem Daimler-Blog war anschließend teilweise wieder Gegenstand der “klassischen” Medienberichterstattung.

Martin Meyer-Gossner Was würdet ihr anderen Firmen raten, die ähnliche Community-Aktivitäten wie Corporate Blogging anfangen?

Uwe Knaus Ich kann lediglich die Tipps anführen, die für den Start des Daimler-Blogs hilfreich waren. Vieles davon ist jedoch übertragbar. Grundsätzlich hängt der Erfolg davon ab, ob Themen und
Format bei der definierten Zielgruppe ankommen. Über folgende Punkte sollte man sich im Vorfeld Gedanken machen:
- Welches Ziel soll mit dem Blog verfolgt werden?
- Herrscht eine offene Unternehmenskultur vor, die Voraussetzung für eine solche Maßnahme ist?
- Hat das Blog Unterstützung oder Akzeptanz vom Management?
- Sind die Autoren sowie auch die vermeintliche Zielgruppe dialogorientiert?
- Hat das Unternehmen über längere Zeit ausreichend Geschichten zu erzählen?
- Wie grenze ich Meinungen auf dem Blog von offiziellen Statements ab? – Blogging Policy vs. One-Voice Policy
- Formulierung von nachvollziehbaren Kommentarrichtlinien und einer Blogging Policy
- Einbindung Betriebsrat – Corporate Blogging ist Arbeitszeit
- Einführungsstrategie – Seeding oder Kaltstart?
Wenn diese Punkte geklärt sind und das Unternehmen dialogorientiert, authentisch, transparent und zeitnah bloggt, sollte es funktionieren.

Martin Meyer-Gossner Danke Dir Uwe für die Offenheit und die Hilfstellung für viele Kommunikationsstrategen, die vielleicht auch überlegen, ein Corporate Blog zukünftig einzusetzen. Viel Erfolg weiterhin!

Uwe Knaus ist Manager Corporate Blogging & Social Media Strategy, Corporate Communications bei der Daimler AG. Er beschäftigt sich seit Anfang 2007 mit Konzeption, Launch, Moderation und der strategischen Weiterentwicklung des Daimler-Blogs. Seit Mitte 2009 ist der Diplom-Betriebswirt zudem für Konzeption und Strategie des Einsatzes von Twitter für die Unternehmenskommunikation verantwortlich und steuert seit Anfang 2010 den strategischen Einsatz von Social Media zur Erreichung der Kommunikationsziele.

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WER BLOGGT, BLEIBT! – Folge 3: Das RITTER SPORT Blog

Die Serie zu den Corporate Blogs “Wer bloggt, bleibt!” macht immer mehr Spaß. Und wenn man über Kekse oder Schokolade bloggen darf, muss man vermutlich aufpassen, dass man nicht schon beim Schreiben zunimmt. Aber man kann es ja dann im Garten wieder abarbeiten.

Wollen wir also mal in der dritten Folge hören, wie die Corporate Schokiblogger von RITTER SPORT so leben. Viel Spaß!

Martin Meyer-Gossner Der Mensch liebt Schokolade. Und Schokolade macht bekanntlich glücklich. Wie viel RITTER SPORT Schokolade verschwindet in deinem Bauch beim Bloggen, Meike?

Meike Seyfert Hmmm, schwierig zu sagen… Das hängt von der Tagesform, der Tageszeit und meiner persönlichen Stimmung ab. Meistens bekomme ich v.a. Lust auf unsere Produkte, wenn ich einen Artikel zu neuen Sorten aus dem Hause RITTER SPORT verfasse. Ganz zu schweigen von weiteren undefinierten Schokoladenmengen, die in den Bäuchen unserer Social Media Agentur Kolle Rebbe, die uns bei der Kommunikation auf dem Blog, Facebook und Twitter unterstützt, verschwinden.

Martin Meyer-Gossner Schokolade ist auch eine Philosophiefrage: Milka, Lindt oder RITTER SPORT? Spiegelt sich das auch in Kommentaren wieder und lernt man da für die Produktentwicklung? Gibt es Erkenntnisse?

Meike Seyfert Tatsächlich tummeln sich auf unseren Online Kanälen viele eingefleischte RITTER SPORT-Fans, die dann auch ihre Lieblingssorten posten oder spezifische Fragen zu unseren Produkten stellen. Natürlich kann man nie ausschließen, dass unsere Fans und Besucher nicht auch andere Marken konsumieren. Kommentare wie „Warum habt ihr nicht Produkt x wie Wettbewerber y?“ kommen aber nie.

Martin Meyer-Gossner Kommentiert der an Schokolade denkende Mensch eigentlich erfahrungsgemäß fröhlicher und lebendiger?

Meike Seyfert Ich denke ja. Unser Produkt vermittelt ja auch vorrangig Genuss und Spaß und ist nicht erklärungsbedürftig wie evtl. ein technisches Produkt. Das macht sich auch im persönlichen Umfeld bemerkbar: Wenn man erzählt, dass man bei RITTER SPORT arbeitet, reagiert der entsprechende Gegenüber in 9 von 10 Fällen mit einem Lächeln. Und der 10. sagt sehnsüchtig: “Mensch, Du hast es gut!”.

Martin Meyer-Gossner Was erwartet die Unternehmensführung im Hinblick auf das Corporate Blogging?

Meike Seyfert Unser Inhaber Alfred Ritter wünscht sich vermehrtes “Inhouse-Blogging”, sprich: Ein Mitarbeiter postet direkt aus dem Unternehmen. Das wirkt authentisch und glaubhaft. Außerdem ist es uns wichtig, dass die Markenwerte von RITTER SPORT transportiert werden. Wir wollen in Dialog mit unseren Usern treten, ihr Feedback nutzen, sie an die Marke binden und nicht zuletzt für positiven Diskussionsstoff im Netz sorgen und damit starke virale Effekte auslösen. Der Blog versteht sich hierbei als Dialog- und Hintergrundinformationskanal: Er bietet einen Anlaufpunkt für Verbraucher / Fans, um mit der Marke in Dialog zu treten (Insider). Zudem werden Infos / Themen / Fragen direkter und ausführlich behandelt und beantwortet.

Martin Meyer-Gossner Wie viel Zeit muss der Corporate Blogger für sein nachhaltiges Konzept investieren, oder sollte ich sagen, das Management…?

Meike Seyfert Mindestens 50% des Arbeitstages. Bei uns arbeiten 3 Mitarbeiter für den Bereich Online (davon 1 für Social Media, 1 für die Webseite und 1 übergeordnet). Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen: Zum Einen sind da die vielen Anfragen, die baldmöglich beantwortet werden müssen. Dies geschieht nicht selten in Absprache mit weiteren Abteilungen, wenn es sich um fachspezifische Fragen handelt (z.B. das Lebensmittelrecht betreffend). Zum Anderen muss man sich auch für das Verfassen eines Artikels die entsprechende Zeit nehmen.

Martin Meyer-Gossner Gibt es Erfolge, die mit dem RITTER SPORT Blog verzeichnet wurden und welche Ziele wurden -Hand aufs Quadrat- noch nicht erfüllt?

Meike Seyfert Unser größter Erfolg im vergangenen Jahr war die “Blog-Schokolade”. Bei der Aktion hatten die Blog-User die Möglichkeit, gemeinsam mit RITTER SPORT eine eigene Schokolade zu entwickeln – die Blog-Schokolade. Aus allen Sortenvorschlägen legte eine hausinterne Jury die umsetzbaren und besten 20 Vorschläge fest. Daraus wählten die User dann ihre Lieblingssorte. Außerdem hatten die Verbraucher dann noch die Möglichkeit, auch die weiteren Eigenschaften der Tafel wie Name und Verpackung mitzubestimmen. Am Ende wurde die Gewinnertafel “Cookies & Cream” dann in unseren Sonderkanälen Webshop, SchokoLaden in Waldenbuch und der Bunten Schokowelt Berlin verkauft. Die Aktion war sehr erfolgreich. Das Feedback unserer Verbraucher ist uns sehr wichtig, da wir somit wertvolle Erkenntnisse darüber bekommen, was sich unsere Verbraucher wünschen und ob wir mit dem, was wir tun, “auf dem richtigen Weg” sind.
Was sich aktuell noch schwierig gestaltet, ist die Messbarkeit von solchen Aktionen. Natürlich können wir Besucherzahlen und Kommentare messen, was wir aber qualitativ bei den Usern mit dieser oder anderen Social Media Aktionen erreicht haben (bspw. positive Imagewerte, erhöhtes User-Involvement), lässt sich aktuell noch nicht zufriedenstellend bewerten.

Martin Meyer-Gossner Was rätst du anderen Firmen, die ähnliche Community-Aktivitäten wie Corporate Blogging anfangen?

Meike Seyfert Social Media Kommunikation funktioniert anders als klassische Werbung. Ich finde, die Kommunikation kommt der persönlichen Kommunikation unter Freunden gleich. Und so sollten wir auch mit unseren Fans sprechen: Nicht zu werblich, sondern wie zu einem Freund. Des Weiteren ist es unbedingt wichtig, offen, ehrlich und transparent aufzutreten. Auch hier spielt wieder der „Freunde“-Faktor eine wichtige Rolle. Wir möchten kein Fake sondern echt sein. Dafür muss man sich dann aber auch die entsprechende Zeit nehmen. Man kann Social Media nicht „nebenbei“ machen. Es steckt ein gewisser Zeitaufwand dahinter, den man auch in Kauf nehmen muss. Hierbei kann eine Agentur durchaus unterstützend einwirken, dies sollte man dann aber auch kommunizieren und die Agentur-Mitarbeiter nicht als RITTER SPORT-Mitarbeiter verkaufen. Und last but not least steht über allem natürlich die echte Leidenschaft für die Marke und die Social Media-Kommunikation. Man muss es lieben und leben.

Meike Seyfert hat Werbung & Marktkommunikation in Stuttgart studiert und ist dann über eine Werbeagentur, Nestlé sowie L´Oréal 2009 bei RITTER SPORT im Trade Marketing eingestiegen. Inzwischen ist sie ins nationale Marketing gewechselt, wo sie vorwiegend die Social Media Kanäle betreut sowie Produktprojekte, die sich in der Offline-Welt abspielen, wie bspw. die limitierten Promotionsorten im Sommer. Ihre Lieblingsschoki ist Knusperkeks, Alpenmilch und Knusperflakes.

Weitere Folgen der Serie “WER BLOGGT, BLEIBT!” gibt es hier.

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WER BLOGGT, BLEIBT! – Folge 2: Das Gartenblog

Die Serie zu den Corporate Blogs “Wer bloggt, bleibt!” lief gut an. Das Feedback auf das Krümelsourcing  war äußerst positiv, womit auch gleich mein Dank an die “Retweeter” und Feedbacklieferanten ergeht.

Legen wir gleich mal nach und bringen die zweite Folge live…

Das Blog Garten2Null des Ulmer Verlags spricht den gehobenen Gartenfreund an und wird von Steffen Meier geführt. Der Macher des Firmenblogs hat im Monat bereits beachtliche 20.000 Unique Visitor monatlich und auch bei Twitter und Facebook zählt das Unternehmen schon rund 1.000 treue Fans und Follower.

Fragen wir also mal den Mann mit dem “grünen Bloggerdaumen”, welche Voraussetzungen für ein erfolgreiches Corporate Blog gegeben sein müssen. 

Martin Meyer-Gossner Der Garten ist des Menschen liebstes Kleinod, wie man sich so sagt. Wie kommunikationsfreudig ist denn der perfektionistische Gartenfreund aus eurer Erfahrung?

Steffen Meier Eine unserer Hauptzielgruppen, der Hobby-Garten-Freund (korrekterweise müsste man sagen “Freundin”, da in der für uns relevanten Zielgruppe über 40 und weiblich im Schwerpunkt) ist sehr kommunikationsfreudig – aber auch sehr informations”bedürftig”, was uns als Verlag natürlich sehr entgegenkommt.

Martin Meyer-Gossner Was erwartet die Unternehmensführung im Hinblick auf das Corporate Blogging für den Freund des grünen Daumens?

Steffen Meier Natürlich den direkten Kontakt zur Zielgruppe, aber auch kompetente Informationsvermittlung, positives Stärken der Verlagsmarke. Natürlich spielt auch der Hinweis auf unsere Produkte eine Rolle, aber auch Feedback zu uns, unseren Produkten zur Optimierung und Themenrecherche.

Martin Meyer-Gossner Gab es denn schon Erkenntnisse, die die Verlagswelt zur Produktion neuer Themen- oder Bücherwelten angeregt hat? Mit Erfolg?

Steffen Meier Durch den (wenn auch ressourcenintensiven) direkten Kontakt gab es schon viele Anregungen, die einerseits zur Optimierung dienen – aber auch konkret Produktideen, etwa aus Blogbeiträgen von Usern E-Books zu generieren. Da ist inzwischen einiges in der Pipeline.

Martin Meyer-Gossner Wieviel Zeit muss der Corporate Blogger für sein nachhaltiges Konzept investieren, oder sollte ich sagen, das Management…?

Steffen Meier Immer mehr als man zuerst denkt. Dies hängt auch damit zusammen, dass man als Unternehmen in der digitalen Informationsfülle Präsenz und Konstanz zeigen muss, ein Blogpost im Monat, plakativ ausgedrückt, funktioniert schlicht nicht. Natürlich immer mit Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Zielgruppe, zuviel des Guten ist dann kontraproduktiv.

Martin Meyer-Gossner Gibt es Erfolge, die mit dem Garten Blog verzeichnet wurden und welche Ziele wurden -Hand aufs Herz- noch nicht erfüllt?

Steffen Meier Reichweitenziele wurden recht schnell erreicht, auch Kommunikationsziele. Beim Produktabsatz, konkret Buchverkauf, haben wir die ersten, ins Blaue hinein formulierten Ziele nicht erreicht.

Martin Meyer-Gossner Was rätst du anderen Firmen, die ähnliche Community-Aktivitäten wie Corporate Blogging anfangen?

Steffen Meier Erst schauen, dann tun. Heißt: erst umfangreich recherchieren, was es an Angeboten für und aus der Zielgruppe schon gibt, welche Interessen und Bedürfnisse die Zielgruppe hat, die man als Unternehmen befriedigen kann. Dann Ziele setzen (auch wenn diese erst einmal ohne Erfahrungswerte erstmal vage sind, aber ohne Zielsetzung funktioniert das Ganze Konzept nicht. Klingt banal, wird aber oft vernachlässigt. Und dann ein gutes Blogger-Team zusammenstellen, das auch nachhaltig die nötige Zeit investieren kann und die inhaltliche Kompetenz hat.

Steffen Meier war nach einer Ausbildung zum Verlagsbuchhändler bei den Ernst Klett Verlagen, Studium der Geschichtswissenschaft in Stuttgart. Danach Chefredakteur einer Stadzeitung, freier Journalist, tätig in diversen Werbeagenturen und Systemhäusern. Über diverse hausinterne Stationen im Stuttgarter Fachverlag Eugen Ulmer seit der Jahrtausendwende Aufbau des Verlagsbereichs Online, dessen Leitung er innehat. Schwerpunkte sind dabei neue digitale Geschäfstfelder, E-Publishing, Mobile und Apps sowie SocialMedia.

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WER BLOGGT, BLEIBT! – Folge 1: Das Keksblog.

Corporate Blogs gehört auf webstrategischer Ebene in meinen Augen die Zukunft. Sie werden eine tragende Rolle in der digitalen Markenführung der Zukunft spielen. Aus diesem Grund werden wir jeden Monat im Jahr 2012 die Blogger eines Firmenblogs interviewen und Einblicke in die Welt der Corporate Blogs liefern.

Die Idee zu der Serie “Wer bloggt, bleibt!” entstand nach einer Crowdsourcing Testaktion, bei der ich mit meiner Familie mitmachen durfte und so den Begriff “Krümelsourcing” geprägt habe. So darf auch das Keksblogs den Startschuss machen…

Die Macher, Anita Freitag-Meyer und Linda Grohe, sind seit März 2011 mit dem Firmenblog von Hans Freitag aktiv. Mittlerweile erzielt das Keksblog im Monat bereits 15.000 – 20.000 Seitenabrufe und bei Facebook ha das Unternehmen rund 1.600 treue Fans.

Zeit also, die beiden Gründerinnen zu befragen, was der Beweggrund des Blogs und der dortigen Aktivitäten ist.

Martin Meyer-Gossner Sie haben eine Crowdsourcing Aktion gemacht, bei der Sie Probierpäckchen an Leser ihres Blogs verschickt haben. Was hat Sie zu dieser Aktion bewegt?

Anita Freitag-Meyer Uns ist es wichtig zu erfahren, was die Leute „da draußen“ wirklich wollen. Was schmeckt dem Endverbraucher, was eher nicht. Besser und direkter als über Social Media kann man unseres Erachtens derzeit nicht mit dem Endverbraucher kommunizieren und in den Kontakt kommen. Außerdem möchten wir unseren Kunden zeigen, wer wir sind. Das Vertrauen der Endverbraucher in die Lebensmittelindustrie ist leider weniger geworden. Wir denken, dass nur durch einen offenen und vor allem ehrlichen Dialog  Ängste genommen werden können.

Martin Meyer-Gossner Hat die Community ihres Blogs ihnen auf die Testaktion irgendwelche neuen Erkenntnisse zur Qualität, Produktsortiment oder Vorlieben geliefert?

Anita Freitag-Meyer Wir denken, das Feedback ist aus zweierlei Blickwinkeln zu sehen:
1. Es ist schön zu hören, wenn es den Leuten schmeckt und auch in der Tüte unsere Philosophie „Wir backen mit Herz und Verstand“ beim Endverbraucher ankommt. Stellen Sie sich einen Bäcker bei Hans Freitag vor, der täglich voller Motivation backt, eine Dame in der Verpackung , die täglich mit Sorgfalt darauf achtet, dass die Tütchen auch hübsch und vor allem gut verschlossen unser Haus verlassen. Wie selten bekommen diese Menschen ein Feedback oder Anerkennung vom Endverbraucher. Richtig: eigentlich nie. Social Media macht es möglich. Viele Kundenstimmen drucken wir aus und hängen diese in der Kantine bei uns auf. Das Lob oder auch die Kritik der Endverbraucher gilt uns allen. Jedem einzelnen Menschen, der hinter der Firma „Hans Freitag“ steht. Also 1.) bringt es viel Motivation für das ganze Team.
2. Auch in der Produktentwicklung hat uns die Community schon sehr häufig einen Weg aufgezeigt, den wir alleine vermutlich nicht gegangen wären. So gab es z.B. einen Produkttest innovativer Gebäcke u.a. mit Mohn oder Flor de Sal. Wir wählten 10 Tester aus, die allesamt so motiviert waren, dass sie den Test weitergaben und wir somit 40 (!!) ehrliche Meinungen verzeichnen konnten. Fazit/ Kommentar der Tester „Ganz nett, aber das würde ich im Laden nicht kaufen“. Die Community hat uns so vor einer Fehlinvestition bewahrt. Auch bei der Auswahl neuer Packungdesigns war der Geschmack der Menschen, die unser Gebäck im Regal kaufen ein anderer als  der unsrige. Betriebsblindheit oder eingefahrene Linien werden reflektiert und Dank der Community revolutioniert. Natürlich bleiben wir uns dabei treu, aber – wir nehmen die Wünsche und Gedanken unserer Leser ernst und schaffen eine Symbiose aus beiden Meinungen. Das klappt sehr gut und wir sind zufrieden mit den Ergebnissen. Wir sind „frischer“ geworden.
 

Martin Meyer-Gossner Wieviel Zeit und täglichen Aufwand kostet es Sie und ihre Kollegin Frau Grohe das Blog zu betreiben?

Anita Freitag-Meyer Man kann es nicht in Zahlen ausdrücken, die Zeit ist nicht messbar. Wir arbeiten neben unseren herkömmlichen Tätigkeiten im Bereich Social Media. Wir sind meistens ansprechbar und online (außer wir schlafen) fast immer erreichbar. Ohne eine Affinität zu Social Media wäre diese Arbeit nicht möglich. Nettozeit sind es ca. 1-2 Stunden täglich. Unsere Artikel auf dem Keksblog schreiben wir oftmals abends oder am Wochenende. Ideen kommen spontan und werden notiert. Bei Social Media vermischt sich Geschäftliches mit Privatem. Man muss es lieben und leben, sonst funktioniert es nicht und ist nicht authentisch.

Martin Meyer-Gossner Welche Erfolge können sie mit dem Keksblog verzeichnen und welche Ziele wurden -Hand aufs Herz- noch nicht erfüllt?

Linda Grohe Wir freuen uns, dass vermehrt auch andere über uns berichten; kürzlich gab es z.B. einen Artikel bei „Die Finanznachrichten“. Außerdem erzielen wir viel Aufmerksamkeit bei der Presse, Frau Freitag-Meyer wird viel und gern zu Interviews oder Vorträgen geladen. Das ist toll, denn so können wir auch erzählen, was wir vertreten und einiges bewegen. Jüngst trat Frau Freitag-Meyer so vor den „Großen“ der Süßwarenindustrie bei dem diesjährigen Süßwarenkongress in Berlin auf und referierte über unser Keksblog. Noch nicht erfüllt: der 10.000 te Fan bei Facebook. ;-) Aber wir freuen uns über jeden, der bereits Fan ist und vor allem Fan bleibt.

Ihr Rat an Unternehmen, die in Social Media aktiv werden wollen, oder schon sind: “Ehrlich sein und die Community ernst nehmen.”

Macht weiter so liebe Keksbloggerinnen, Anita Freitag-Meyer und Linda Grohe.

Keksbloggerinnnen

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