Wie Online Videos die TV-Welt verändern

Das Fernsehen kann erstaunlicherweise immer noch Zuwachsraten bei der Nutzung vorweisen. So stieg die Nutzungszeit auf immerhin 242 Minuten pro Tag pro Fernsehzuschauer an ((1) AGF/GfK, jeweils 1. Halbjahr, ARD/ZDF Onlinestudie). Dennoch befindet sich die Branche in einer schwierigen Situation. Immer mehr Zuschauer beschäftigen sich während des Fernsehens mit einem Zweitbildschirm und die jungen Zuschauer nutzen verstärkt alternative Videoangebote und stillen ihren Hunger nach Information und Unterhaltung auf anderen Plattformen.

Denn Online Videos sind mittlerweile überall zu finden und bequem abzurufen: auf Desktop, Smartphone, Tablet und auf dem SmartTV im Wohnzimmer. In Deutschland wurden in einem Monat durchschnittlich 175 Online Videos per Viewer geschaut. Weltweit schauen 1,3 Milliarden Menschen im Durchschnitt 162 Online Videos pro Monat. Und die Nutzung findet hauptsächlich auf Youtube statt. YouTube ist immer noch die Online-Video-Plattform Nr. 1, danach folgen Facebook und andere Online-Video-Plattformen wie VEVO und Hulu oder in Deutschland die Mediatheken der Sender (comscore Video Metrics).

Und die Nutzung steigt weltweit weiter an. Im Jahr 2013 werden Online Videos 91 Prozent des gesamten Internet Traffics ausmachen und besonders die jungen User verbringen weit mehr Zeit mit Online Videos als mit dem TV-Programm. Deshalb reibt sich auch manch Verantwortlicher in den TV-Sendern die Augen und sucht nach neuen Möglichkeiten, um mit seinen Inhalten online und mobil mitzumischen. TV-Sender haben begonnen, ihre Inhalte im Netz zu verlängern. Sie aggregieren ihren Inhalte oder bieten eigene Mediatheken oder Apps an. Sie verlängern ihre Sendungen in Facebook wie RTL2 mit ihrer Daily Soap ‘Berlin Tag & Nacht’, um mit den jungen Zuschauern im Netz interagieren zu können und sie zu jeder Tages- und Nachtzeit zu erreichen. Es scheint, dass derzeit ein regelrechter Run ins Netz stattfindet. Wer jetzt nicht drin ist und seine Inhalte adäquat zur Verfügung zu stellen weiß, wird es schwer haben, den Anschluss zu finden.

Denn die Mehrzahl der derzeit vorhandenen Online Videos stammt eben meist nicht von TV-Sendern, sondern von Usern (User Generated Content), von Markenunternehmen (Branded Entertainment) oder von neuen Produktionsgesellschaften wie Endemol beyond oder PutPat, Mediakraft etc. Diese Anbieter haben sich bereits bestens mit neuen Formaten positioniert. Besonders in der jungen Zielgruppe. Ein bekanntes Beispiel ist y-titti, ein Format von Mediakraft. Ein Format, das begeistert, geteilt und millionenfach abgerufen wird. Laut Mediakraft, die auf der diesjährigen AVMD (Audiovisual Media Days) in München zu Gast waren, verzeichnet y-titti mehr als 1,6 Millionen Abonnenten auf YouTube. Für das Gesamtnetzwerk verzeichnet Mediakraft 8,5 Millionen Unique Viewers pro Monat und bezeichnet sich selbst als Leitmedium für Jugendliche.

Trotz neuer Player und dem Run auf Online Videos schaute Gerhard Zeiler von Turner Broadcasting System auf dem TV-Wirkungstag dennoch deutlich optimistisch in die Zukunft. Er sagte der Gattungsmarke Fernsehen sogar eine rosige Zukunft voraus. Die Branche sei bestens positioniert, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Die Gattung TV erlebe keine Revolution, sondern eine Evolution – noch nie wurde soviel Fernsehen geschaut wie heute. Und Fernsehen ist im medialen Vergleich stärker denn je und es ist immer noch die tragende Säule des Mediengeschäfts. Dennoch müssen TV-Sender reagieren, indem sie ihre Inhalte auf allen Geräten bereitstellen, in die Programmqualität und in Experimente investieren. Darüber hinaus gibt er der Branche den Tipp, sich mit einer starken Sendermarke zu präsentieren.

Audiovisual Media Days 2013

Aber ob das tatsächlich hilft, mag ich an dieser Stelle bezweifeln. Viel zu stark hat sich der Online-Video-Konsum bei Jugendlichen etabliert. In den Jugendzimmern findet man keine Fernseher mehr und die Bedeutung des TV-Geräts im Wohnzimmer wird weiterhin abnehmen, so jedenfalls Dr. Hentschel von Goetzpartners auf den Audiovisual Media Days in München. Werden sich die Jugendlichen tatsächlich wieder den Programmen der etablierten TV-Sender zuwenden oder werden sie ihren Bewegtbildkonsum anderweitig stillen? Und dabei ist es nicht entscheidend, auf welchem Gerät sie Bewegtbild nutzen, dies kann auch weiterhin der große Bildschirm im Wohnzimmer sein, auf dem ein Spielfilm einfach besser rüberkommt und man diesen mit Freunden oder der Familie gemeinsam genießen kann. Die Frage ist, ob der User sich sein Angebot über YouTube selbst mixt oder hierfür einen Film aus dem TV-Programm wählt? Vielleicht nutzt er auch ein OnDemand- oder PayTV-Angebot oder er schaut sich IP-basiert einen Film auf dem Fernseher an. Vielleicht baut sich der Zuschauer / User oder wie man den Bewegtbildkonsument der Zukunft auch immer nennen möchte, sein eigenes Programm aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Angeboten zusammen und nutzt diese über alle verfügbaren Bildschirme. Aber vielleicht ist der User auch bequem und er freut sich, wenn Programmverantwortliche ihm ein individuelles Programm für den Tag zur Verfügung stellen. Das TV-Gerät wird also zur Plattform und diese Plattform wird in jedem Fall in vielen Wohnzimmern eine neue Rolle einnehmen.

TV is a geography. A Place. A Function.
TV is not just a box in the corner of the room.  Tej Rekhi, DG

TV-Sender müssen sich in diesem Wettbewerb neu positionieren und ihre Qualitäten über eine starke Sendermarke dem jungen Publikum präsentieren. Machen sie das nicht, dann überlassen sie das Feld neuen Playern. Und das kann meines Erachtens schneller passieren, als ihnen lieb ist.

 

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TV: Alles neu und doch weiterhin die Nummer 1

© apops – Fotolia.com

77 Prozent der deutschen Internetnutzer schauen Online-Video. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. hat diese beeindruckende Zahl kürzlich verkündet. 50 Prozent sehen Filme und 47 Prozent schauen bei Live-Events über das Internet zu, in beiden Fällen etwa 12 Prozent auf mindestens wöchentlicher Basis. Die 16- bis 34-Jährigen weisen die höchste Nutzungsintensität auf. In der kürzlich veröffentlichten Studie von Adobe „Adobe Digital Index“ wurde zudem festgestellt, dass Inhalte von TV-bezogenen Medienseiten über alle Geräte deutlich häufiger bis zum Ende geschaut werden, als Inhalte von nicht TV-bezogenen Seiten. Die Inhalte werden vor allem auf Tablets konsumiert.

Dennoch ist es erstaunlich, dass der Großteil der Werbebudgets immer noch ins TV wandert. Im Jahr 2012 konnten die deutschen TV-Sender immerhin 11,34 Milliarden Euro Bruttowerbeumsatz verbuchen. Und auch in den USA wird die Hälfte der Werbeausgaben für TV-Werbung ausgegeben, obwohl die Zuschauerzahlen rückläufig sind. Eine Studie von Adobe will herausgefunden haben, dass zwei von drei Konsumenten TV-Werbung für effektvoller als Online-Werbung halten soll.

“The study revealed that two-thirds of consumers believe that television commercials are more effective than online advertising and that online banner ads do not work (54%).”

Zu einer ebenfalls deutlichen Aussage bezüglich der Werbewirkung von TV-Spots kommt eine Studie von Innerscope, die bereits im Jahr 2010 feststellte, dass Mediennutzer sich mit einem TV-Spot 30-mal stärker beschäftigen als mit Online-Display-Werbung.

Allerdings ist es ratsam, dem Trend des Second-Screens zu folgen und in der Werbung auf eine Kombination von TV und Online zu setzen. Denn die positive Wechselwirkung, die zum Beispiel erzeugt wird, wenn der Mediennutzer TV und Online zeitgleich nutzt, ist enorm. Die Vielfalt, die den Video- und Second-Screen-Werbmittelinhalten eigen ist, geht zudem weit über den bloßen Klick hinaus. Es geht um einen Werbemittelinhalt, der relevant ist und den Konsumenten während er fernsieht einbindet. Und es handelt sich hierbei nicht um Inhalte, die User mühsam zum Fernsehprogramm suchen müssen. Der Unterschied liegt in einem Service-Push, den TV-Sender anbieten sollen. Second-Screen-Werbeinhalte sollten also eine ganz natürliche Folge sein und das Verhalten des Nutzers reflektieren. Dennoch scheint der Weg zum Konsumenten für TV-Sender noch beschwerlich. Die NPDGroup hat nun festgestellt, dass zwar 87 Prozent der US-Bürger ein Zweitgerät nutzen, während sie TV konsumieren. Doch das was sie tun, hat noch nicht viel mit Dialogkommunikation in linearen Werbebotschaften zu tun, bzw. erst 47 Prozent nutzen Second-Screen Applikationen.

“Among TV viewers who use second-screen devices, only 47 percent have participated in second-screen activities. The most common TV-to-second-screen interaction was learning more about the TV program they were watching, and finding out about the actors in that program. Viggle, zeebox, and other apps designed to enhance second-screen engagement are not commonly used by consumers. Instead, of those TV watchers who engage in second-screen activities, most interact with their TV experience by visiting IMDb, Wikipedia, and social networks.”

Copyright: NPDGroup

Wie deutsche TV-Sender sich auf den Wandel einstellen und welche Angebote sie im Bezug auf Second-Screen für den User bereithalten, ist ein Thema auf dem kommenden TV-Wirkungstag am 18.4. in Düsseldorf. Dort sprechen Top-Speaker zu den Themen Second Screen, Social TV und Fernsehen der Zukunft. Und auch die Audiovisual Media Days widmen sich am 22. und 23. April in München ausführlich den Themen Smart- und Web-TV, Videowerbung und Social Media.

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Die Milliarden Dollar Startups

Startups. Welche Startups haben es geschafft in die Milliarden-Liga? Staff hat eine tolle Infografik erstellt. Sie verdeutlicht, wie viel Investment Kapital die “großen” Startups der Digitalwelt bekommen haben, wie viele Mitarbeiter sie zählen und was ihr derzeit geschätzter Marktwert ist. Nicht viele Startups haben es geschafft, sich an die Spitze der digitalen Web-Elite zu etablieren und in der Milliarden Dollar Liga zu spielen. Und das sind nur die Firmen, die von 2004 (Facebook Gründungsjahr) an im Markt sind…

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DLD13: Über das Unerwartete…

Es sind die unerwarteten Reden und Gespräche im Leben, die Veranstaltungen zu einem persönlichen Erfolg oder Misserfolg machen. Die DLD13 unter dem Motto “Patterns that Connect” hat mir dies wieder deutlich vor Augen geführt. Auch wenn natürlich die digitalen Hype-Themen wie Big Data, Mobile, und Search (noch hipp?) ausführlich in Panels und Vorträgen diskutiert wurden, waren es die Randerscheinungen, die die DLD zu einem wertvollen Think-Tank und digitalen Katalysator-Treffen machen.

Der Morgen.
Die Lufthansa hatte zum “Pre-DLD-Exklusiv-Frühstück” mit Jeff Jarvis geladen. In den heiligen Hallen des HVB Vorstand-Casinos avisierte man zu früher Stunde das Thema “Turn your company into an API”. Die interaktiv eingebrachten Ideen waren zahlreich, die Ansätze folgten vielversprechenden Visionen. Schnell wurde klar: Intelligente Services, die nicht unmittelbar im Unternehmensprozess ablaufen, sind das Salz in der Markensuppe für die Kunden. Die intelligente Vernetzung mit Partnern sowie die Befriedigung der einfachen Ansprüchen von Kunden (hier ein Kommentar, dort eine Aufmerksamkeit, dann mal ein wenig Mitdenken) sind manchmal für ein wenig Wachstum schon genug. Sie schaffen ungeahnte Zugänge und ertragreiche Kooperationsoptionen. Man wünschte sich, auch so manches Unternehmen lebt das dann auch. Unerwartet wäre es nicht mehr…

Der Mittag.
Der Meeting Point im Zentrum der Location brachte Vernetzungsoptionen, die erhofft aber dennoch unerwartet daherkamen. Oft vergisst man: Die Digitalszene ist doch irgendwie noch übersichtlich und die “Six Degrees of Separation” schienen hier eher 3 oder 4 zu sein. Man diskutierte vorwiegend hier über neue Businessmodelle und die letzten Invests der Szene. Unsere Vision von Lancalot begeisterte zahlreiche Menschen, die uns schnell mit Menschen in Kontakt brachten, die 10 Minuten vorher noch als “Investment Potenz” so weit entfernt wie die Milchstrasse erschienen. Es wuchsen Partnerschaften. Es entstanden Speaking-Opportunities. Es keimten Hoffnungen. Über Stunden kam man nicht aus dem Karee und vergaß die Reden, die auf den beiden Bühnen gehalten wurden. Den Rest der Woche arbeite ich jetzt daran, die Keime der unerwarteten Gespräche zu erden.

Der Nachmittag.
Irgendwann wollte ich dann doch mal sehen, was uns das DLD Team um Stephanie Czerny als Sprecher auf die Bühne gezaubert hat. Hugh Herr lief gerade auf die Bühne. Wer seien Geschichte kennt, weiß, was ich damit sage. Der Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitet am Unerwarteten für kranke Menschen, die heute vielleicht noch keine Zukunft für ihre Behinderung sehen. Seine Beine sind dort schon angekommen. Seine Rede machte Mut. Sein Input “We don’t suffer from disabled bodies, we are missing the technological capabilities” war das beeindruckendste Zitat der Veranstaltung für mich. Denn genauso ist es. Das Unerwartete sieht man nur, wenn wir um die Ecke denken. Auch wenn wir nicht sehen können, aber trotzdem ein Auto fahren wollen, wie der zu 95% erblindete Steve Mahan im selbst-fahrenden Google Auto. Der Wert solch neuer Technologie ist immens

Der Abend.
Die obligatorische DLD-Party. Wie immer im Hause Burda perfekt organisiert. Im Heart. Auch hier gab es Unerwartetes. Nämlich Gäste, die man auf dem DLD nicht sah, die sich aber offensichtlich Tickets ausschließlich für die Party organisiert hatten. Insofern auch interessant zu sehen, dass manche dort auf das unerwartete Gespräch mit digitalen Vordenkern oder Investoren spekulieren. Ich selbst habe die Ruhe bei Gesprächen mit alten Bekannten der Szene genossen, denn das Unerwartete hatte sich bei dieser Veranstaltung für mich schon sehr aussichtsreich eingestellt. Man soll das Glück ja nicht überfordern. Nicht wahr…?

Ich freue mich auf eine Einladung zu weiteren DLD Veranstaltungen und vielleicht dürfen wir dann auch über unser neues Start-Up Lancalot auf einer Bühne sprechen. Wer weiß…

Danke DLD13! Danke Lufthansa!

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Was war, was kommt und was bleibt. Ein kleiner persönlicher Rückblick.

Das Jahr 2012 hatte es in sich. Viele neue Themen standen auf meiner Agenda. Das Digital Business entwickelt sich ständig weiter – schneller als manchem lieb ist. Die rasante Geschwindigkeit ist für viele Unternehmen kaum zu bewältigen. Altbekannte Business Modelle stehen vor dem Aus, neue Business Modelle entwickeln sich rasant und rollen den Markt auf. Aber was bleibt von allem? Es lohnt sich einmal in Ruhe zurückzublicken und eine Bestandsaufnahme zu machen. Welche Themen haben mich persönlich bewegt, welche Themen werden zum Beispiel auch in der Unternehmenskommunikation stärker an Bedeutung gewinnen und was wird von all dem bleiben?

Das Jahr 2012 war gekennzeichnet von einer großen Aufbruchsstimmung in die Welt des Social Media Marketings. Aber auch das Second Screen Advertising, Mobile Marketing, Content Marketing, Digital Publishing und Big Data waren Themen, mit denen ich mich in diesem Jahr intensiv beschäftigen konnte. Spannende Themen, von denen ich einzelne in einer kurzen Zusammenfassung nochmals beleuchten möchte.

Social Media Marketing

Laut der aktuellen Studie „Social Media Marketing in Unternehmen 2012“ des Deutschen Institut für Marketing, an der 900 Personen unterschiedlicher Unternehmen teilnahmen, nutzen mittlerweile knapp 70 Prozent Social Media Marketing.  Das ist im Vergleich zum Vorjahr (66,3 Prozent) zwar nur ein geringer Zuwachs, allerdings planen mehr als ein Drittel der Befragten, die gegenwärtig Social Media Marketing nicht nutzen, den Einsatz für die Zukunft. Heute werden bereits ca. 18,7 Prozent des Marketingbudgets für Social Media Marketing festgelegt.

Interessant ist jedoch, dass nur die Hälfte der befragten Unternehmen ein Social Media Monitoring durchführt. Damit wären wir bei einem Punkt, der definitiv im Jahr 2013 stärker Beachtung finden wird. Social Media Monitoring muss in den Aufgabenkatalog der Unternehmen, denn nur so kann festgestellt werden, ob die Aktivitäten beim Menschen ankommen und das eingesetzte Budget sinnvoll eingesetzt wurden. Zudem bietet das Social Media Monitoring die Möglichkeit, Opinion Leader oder Markenadvokaten zu identifizieren. Markenadvokaten werden für Unternehmen und Brands immer wichtiger, denn sie werden zukünftig eine noch wichtigere Vermittlerfunktion im Netz übernehmen.  Eine Einordnung in unterschiedliche Brandvangelist-Typen wird kommen und einhergehend mit dieser Einordnung die individuelle Ansprache dieser Typen. Einen interessanten Artikel hat hierzu Martin im November veröffentlicht.

Content Marketing

Um sich in der digitalen Welt einen Platz zu erobern, braucht es neben der guten Platzierung in den Suchmaschinen, auch Content, der die User auf der Seite hält, Informationen und Unterhaltung liefert. Um an diesen Content heranzukommen, setzen bereits die ersten Unternehmen in Deutschland auf Content Marketing. Ein Trend, der in 2012 sich ankündigte, aber erst in 2013 stärkere Beachtung in den deutschen Marketingabteilungen finden wird. In USA investieren zum Beispiel B2B-Unternehmen bereits mehr als 33 Prozent ihres Marketingbudgets in Content Marketing.

Content Marketing ist ein Bereich, der in der Unternehmenskommunikation in jedem Fall auf die Agenda 2013 gehört. Ein journalistischer Ansatz, die Liebe zum Schreiben, ein objektiver Blick auf Themen und Kommunikationsbereitschaft sind für erfolgreiches Content Marketing wichtig. Aber genauso wichtig ist es, diesen Content marketingrelevant zu präsentieren und mit Social Media, Mobile Marketing und dem Online Marketing zu fusionieren. Einen ausführlichen Artikel zum Content Marketing habe ich im Juni 2012 veröffentlicht. Weitere werden sicherlich folgen. Erwähnenswert an dieser Stelle ist in jedem Fall nochmals das Engagement von Coca Cola, ein tolles Beispiel, das sicherlich Nachahmer finden wird.

Bewegtbild / Branded Entertainment

Viel beachtet war in 2012 auch der Hype um Bewegtbild. Verleger nutzen die Kraft von Bewegtbild, um Berichte lebendiger zu gestalten. Der Einsatz von lizenziertem und aggregiertem professionellen Bewegtbildinhalten ist ein Trend, der in den letzten Jahren immer mehr Beachtung fand. Und dieser Trend setzt sich weiter fort und wird sich im Jahr 2013 etablieren. Zudem sollte die Frage erlaubt sein, ob Bewegtbild zukünftig das geschriebene Wort im Internet ablösen wird, wie zum Beispiel die Kampagne von Air New Zealand zum Filmstart von Der Hobbit zeigt: Air New Zealand / The Hobbit

Ich bin mir sicher, dass ‚Branded Entertainment Content’, also unterhaltende Videos, die in der Produkt- oder Unternehmenskommunikation zum Einsatz kommen und über verschiedene Netzwerke wie YouTube, Facebook distribuiert werden, in 2013 erst so richtig an Fahrt gewinnen. Und mit der Verbreitung von Smartphones und Tablets wird Branded Entertainment sicherlich auf allen digitalen Kanälen eine große Rolle spielen.

Mobile Marketing

Und somit kommen wir zum Mobile Marketing. Diesem gelang in diesem Jahr der Durchbruch, auch wenn die Werbeumsätze immer noch hinter den Erwartungen der Agenturen liegen. Aber Mobile Marketing wird weiter wachsen und das Jahr 2013 dürfte nun tatsächlich das ‚Jahr des Mobile Marketings’ werden. Denn mit der rasanten Verbreitung von Tablets und Smartphones wird das mobile Marketing immer wichtiger. Auch in der Unternehmenskommunikation wird dieser Kanal an Bedeutung gewinnen. HTML5 und mobile Websites müssen 2013 auf der Agenda stehen. Und es braucht neue kreative Konzepte, wie der User mobil erreicht werden kann. Auch hierzu gibt es einen ausführlichen Artikel von mir, der über Herausforderungen in den Agenturen berichtet.

Parallelnutzung / Second Screen

Die Zahlen zur Parallelnutzung bestätigen den Trend hin zum Second Screen. Tablets und Smartphones werden während der TV-Nutzung zum Chatten, Surfen, Netzwerken genutzt und die Werbung macht sich diesen Trend zu Nutze. Die Erkennung der Zuschauer über Audio Content oder Visual Content Recognition sowie Fingerprinting wird sicherlich im Jahr 2013 kommen, die Technologie ist vorhanden. Es gibt bereits vielversprechende Aktivitäten von Unternehmen wie zum Beispiel das von Puma. Puma hat im Rahmen der Olympischen Sommerspiele in London eine ausgesprochen schöne crossmediale Kampagne gelauncht. Besonders gut gefallen hat mir auch die Einbindung des Offline Marketings. Und damit wären wir bei einem Punkt, der sicherlich wieder stärker in das Bewusstsein der Marketiers rücken sollte.

Offline Marketing

Bei aller Liebe zum Online Marketing, ich glaube und ich bin mir sicher, dass das Offline Marketing in den nächsten Jahren wieder stärker an Bedeutung gewinnen wird. Auch wenn wir uns Online in Sozialen Netzwerken austauschen und Freundschaften pflegen, Kampagnen online und mobil erleben, der Wunsch der Menschen nach „Live-Erlebnissen“ wird bleiben. Vielleicht sollten wir uns alle am Ende des Jahres einmal in Erinnerung rufen, welche Ereignisse tatsächlich wichtig waren, welche Ereignisse uns etwas gegeben haben. Fanden sie online oder offline statt? Ich würde mich hierzu sehr über Eure Kommentare freuen.

Ich wünsch Euch allen ein ‘Happy New Digital Year 2013′!

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ERGO Direkt Umfrage: Die Bedenken der Deutschen im Netz

Credits: © Olly Fotolia.com

Im Rahmen der Online-Umfrage “Lost in Net” hat jetzt Internetforschung im Auftrag der ERGO Direkt Versicherung Argumente aufgezeigt, dass der Deutsche nicht umbedingt überfordert ist mit der Nutzung, Sicherheit und der Datenflut im Netz.

In einer Befragung von 3.000 Internetnutzern ab 18 Jahren kam heraus, dass eher die Angst vor Vereinsamung umgeht, oder auch Opfer von Cybermobbing und Datenspionage zu werden. Und was noch erwähnenswerter ist: Die Jüngeren haben mehr Bedenken, ohne Internet zu vereinsamen … als mit, wie oft von Psychologen angenommen. Auch 93% die Älteren (70+) fühlen sich im Netz inzwischen heimisch. Von Orientierungsverlust kann nicht die Rede sein, zeigt die Befragung. Auch wenn die Anzahl der Daten stetig wächst, verlieren 60% nicht den Überblick.

Die Angst vor Datenspionage (60% der Befragten) und Passwortdiebstahl ist dennoch ein wichtiges Thema für die meisten Menschen in Deutschland. So werden die private Anschrift von mehr als jedem Zweiten nur ungern im Netz herausgegeben. Wenn 15% der 18-39 Jährigen schon Opfer von Datenspionage und fast jeder Dritte unter 30 Jahren im Netz schon mal eine verbale Attacke erlebt hat, kann man davon ausgehen, dass der Nutzer vorsichtig im Netz agiert. Kein Wunder also, dass Bilder ins Netz zu stellen 57% der 40+ Generation als kritisch sehen. Bei der Generation Y sind es hingegen nur 37,6%.

Beim Shopping im Netz werden Bezahlsystemen wie PayPal oder ClickandBuy bevorzugt (60%). Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen, ist jedoch nicht so spannend und wichtig für den Deutschen – 40% machen es nicht. Personalisierte Werbung zu empfangen dank Offenlegung des Konsumverhaltens ist auch nicht unbedingt der Deutschen Ding – 60% lehnen es ab. Auch hier ist Millenial Generation entspannter: nahezu jeder Dritte ist dafür offen. 


Die ausführlichen Ergebnisse der Studie gibt es hier.

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Zeitschriftenverleger im Delfinsprung-Modus auf der Suche nach Antworten

Credits: © Ruggiero Scardigno – Fotolia.com

Die Liste der in 2012 eingestellten Zeitungen und Zeitschriften ist lang. Sie zählt laut Landau Media (Stand Dezember 2012) weit über 70 Titel. Man sollte meinen die Verleger müssten langsam aus den Entwicklungen des Jahres lernen. Einen Verlag in eine digitale Welt zu führen, scheint dann aber doch eine größere Herausforderung zu sein, als es so mancher Manager der alten Druckerzunft angenommen hat. Das zeigte sich auch auf dem 4. Zukunftsforum Zeitschriften der Akademie des Deutsche Buchhandels. Auch wenn der Titel Zukunft verkündete, war das mehr Vergangenheit und Aufarbeitung über die dort gesprochen und diskutiert wurde.

Der Anfang war vielversprechend. Gerrit Klein, Geschäftsführer des Ebner Verlages, schoss erstmal gegen die großen Verlagshäuser, die unter dem Deckmantel des VDZ auch eher auf Besserung der Szene hoffen, denn mit Antworten glänzen können: “In Berlin sitzen die Großkopferten!” Auch die großen Zeitschriften-Verleger müssten langsam akzeptieren: “Wir können es … nicht – das wirklich Innovative zu schaffen.”

Da hat er offensichtlich recht, wenn man sich die Liste der gescheiterten Print-Projekte ansieht. Anscheinend gibt es auch keine Antwort darauf, ob und wenn ja wie man ein Print-Objekt in die moderne Digitale retten kann. Zumindest kam es den ganzen Tag nicht zur Sprache. Gibt es da wirklich kein Beispiel? Es fällt mir schwer zu glauben, dass die Zeitschriftenverleger die Grundzüge des Community-Building nicht verstanden haben. Obwohl sie den Zugang zu Zielgruppen haben. Oder hatten sie den nie wirklich?

Als ob Hr. Klein meinen Gedanken folgen würde, antwortet sein Vortrag mit polemischen, deutlichen Worten…

Wenn ein Raum gefüllt ist mit rund 50 Zeitschriftenverlegern, die alle von Medienvertretern und PR-Fachleuten mit Informationen gefüttert werden bzw. diese ihre Informationen verwerten, warum twittert dann genau ein Mensch, der nicht (mehr) aus der Verlagswelt kommt? Und man konnte sehen und hören, wer da meinen Worten auf Twitter folgte. Da wären Medien-Abnehmer gewesen. Aber das Thema Community-Building ist wahrlich nicht angekommen bei den Fachzeitschriften, was grundsätzlich eine Kernkompetenz der Fachverlage sein sollte.

Doch nicht nur Community-Building scheint ein Fremdwort zu sein. Man musste sich fragen, ob die Zeitschriftenverleger überhaupt in der Gegenwart angekommen sind. Oder immer noch im Delfinsprung-Modus arbeiten, wie es Hr. Klein bildlich formulierte. Da werden im immer selben Zyklus Medien auf den Markt geworfen, ohne über die Nachhaltigkeit oder den Sinn des Businesskonzeptes nachzudenken. Der Innovationszyklus der Verleger laufe immer nach dem gleichen Vorgehen ab: Euphorie, Erregung und Entspannung. Nur so funktioniert Community-Building nicht. Wer sein Business nicht lebt und liebt, kann sich den Sprung ins kalte Becken der “Newsstands” und Abo-Modelle auch schenken.

Beim Vortrag von Herrn Dr. Holger Feist (Burda INtermedia Publishing) blieb mir dann endgültig der Mund offen stehen. Muß man der Fachzeitschriftenwelt wirklich das Thema “Affiliate-Marketing” noch erklären? Und helfen so “denglische” Sätze wie: “Wenn man die Inhalte, die man unique hat, richtig gepriced bekommen kann! Dann funktioniert Paid Content.” Wohl kaum. Und auch Aussagen wie “Mobile Shopping ist noch nichts für dieses Jahr. Aber es wird kommen…”, lassen mich staunend zurück. Falls jemand das wirklich glaubt, dann empfehle ich mal, sich hier auf The Strategy Web zu orientieren.

Gegenargumente liefere ich auch gleich mal. In diesem Jahr habe ich rund 300 EUR in mobile Abos und Apps (Tablet und Smartphone) von Verlegern investiert. Ebenso wurden von mir etwa 150 EUR in QR-Code oder via Augmented Reality initiierte Shopping-Ansätze von mobilen Fachzeitschriften ausgegeben. Nur haben die Marken auch den richtigen Ansatz, mich als User im iPad zu halten, investigativen Journalismus zu leisten mit Inhalte, die ich so gebündelt nicht finde sowie mit einer Community, die ebenfalls dazu beiträgt, dass das Öko-System um Medium, Marke und Meinung mein Leben bereichert.

Als Vorbild wie man mit Fachzeitschriften noch gut verdienen kann, wurde immer wieder Landlust genannt. Und jeder hat sich gefragt warum? Antworten konnten in der Runde aber auch nicht aufgedeckt werden. Obwohl sie in meinen Augen auf der Hand liegen, wie eben angedeutet.

Der Ansatz “Springer für Professionals” erscheint ordentlich, wenn man “Content und Software in 3 Schritten verschmelzen will”: 1.Wissen in große DBs (F&E) 2.Software-integrierter Workflow 3.Qualitative Inhaltsvertikalisierung. Dennoch greift der Ansatz in meinen Augen ebenso zu kurz wie der des Thieme Verlages für Neuro-Chirurgen, die sich offensichtlich abends vor einer OP noch mal schnell auf “eNeurosurgery” fit machen, bevor Bohrer und Lasser den Schädel zurecht rücken. Irgendwie wirken die Modelle nicht zu Ende gedacht hinsichtlich zahlreicher Themen wie Netzwerkaufbau und -integration, Bezahlung der Autoren, User-Generated Content (UGC), Skalierung der Verlags-Optionen und vor allem grenzenübergreifende Kollaboration.

Fazit
Manchmal möchte man einfach nur mal in die Häuser gehen und ein paar der Manager wachrütteln. Mobile, Co-Creation, Netzwerke und User-Generated Content waren Zaungäste, auch wenn der Titel der Veranstaltung so manche Hoffnung weckte und mich zur Teilnahme bewogen hatte. Dass die Frage gestellt wurde, ob das “Authentische das Journalistische” schlägt, war irgendwie bezeichnend für eine Branche, die über sterbende Titel jammert, als mit Mut und Elan sich dem Nutzer, seinen Wünschen und Bedürfnissen zu widmen, sowie ein Ökosystem aus Qualität, Spontanität, Innovation und Kreativität zu (er-)zeugen.

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Digitale Kinder- und Jugendmedien: Zukunft, jetzt!

Credits: © Fotolia.com

Kinder und Jugendliche lieben elektronische Geräte und dies bestätigt auch die neue Jim-Studie 2012. Und der Trend geht hin zu mobilen Endgeräten: Handys und Smartphones haben ihre Rolle als Alltagsbegleiter weiter ausgebaut und verdrängen Konsolen und PCs von der Wunschliste der Jugendlichen. 96 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren besitzen ein eigenes Handy, das von über 80 Prozent täglich genutzt wird. Die Verbreitung von Smartphones nimmt dabei rapide zu. Fast 50 Prozent der Jugendlichen verfügen mittlerweile über ein solches Gerät. Und mit der Verbreitung der Smartphones ist die Nutzung des mobilen Internets auch bei Jugendlichen ein Trend, der nicht mehr aufzuhalten ist. Bereits 40 Prozent der Jugendlichen, die ein Smartphone besitzen, gehen mobil ins Internet.

Was bedeuten diese Ergebnisse nun für Contentproduzenten, Publisher und Verlage? Noch im letzten Jahr (Jim-Studie 2011) stand das Lesen bei Jugendlichen als Freizeitbeschäftigung relativ weit oben im Ranking (44% regelmäßige Leser, im Vergleich 1998: 38 %). Das Lesen von Büchern nimmt jedoch leicht ab, so ein aktuelles Ergebniss der Studie (42 Prozent). Dennoch kann das Lesen von Büchern noch als stabil betrachtet werden. Und diese Aussage sollte Verlage ermutigen, im digitalen Bereich zu experimentieren. Denn eines kann sicher festgestellt werden: Die Verbreitung von Smartphones und Tablets bei Kinder- und Jugendlichen, wird auch deren Mediennutzungsverhalten langfristig ändern. Je früher Verlage eine Antwort auf das neue Nutzungsverhalten haben, desto früher können sie sich mit ihren Brands und guten Inhalten in den Köpfen der Kinder- und Jugendlichen verankern.

Der 3. Kindermedienkongress, veranstaltet von der Akademie des Deutschen Buchhandels, gab hierzu einige interessante Antworten, auf welche Trends Publisher und Verlage bei Kinder und Jugendlichen setzen sollten:

Die Herausforderung besteht weiterhin beim Thema Digitalisierung der Medien. Vor allem durch neue Endgeräte (v.a. Tablets) stehen die Medien in einem noch größeren Wettbewerb zueinander. Die Produktformen Text, Bild, Ton, Animation, Bewegtbild verschwimmen in den digitalen Medien immer mehr miteinander und neuer Wettbewerb bestimmt die Branche. Das Gebot der Stunde lautet: Erhöhung der Wertschöpfung durch Exklusivität, mehrmediale Marken, Aggregation, Individualisierung, Personalisierung (Heinold, Spiller & Partner).

Apps: Sie spielen bei Kindern unter 12 Jahren noch eine untergeordnete Rolle. Die meisten Apps werden von Eltern heruntergeladen, bei Kindern ab 12 Jahren und Jugendlichen ist ein Anstieg zu verzeichnen (Studie Trend Tracking Kids 2012). Am beliebtesten sind kostenlose Apps. Ein Umsatztreiber für Verlage sind Apps aber bei weitem nicht. Das größte Problem bei Apps ist, dass sie nur schwer aufzufinden sind und in den App-Stores der Preiskrieg herrscht. Die 89 Cent-Kultur für eine schön aufgemachte Kinderbuch-App ist meist nicht refinanzierbar.

Apps können aber als kostenlose “Apetizer” herhalten und für kostenpflichtige Apps oder Verlagsproduktionen werben. Interessante Beispiele für App-Lernmedien sind Mindshapes mit Livebooks und Barefoot World Atlas. Diese Apps begeistern Kinder rund um den Globus.

E-Books: Auch E-Books finden sich bislang kaum in den Haushalten, egal in welcher Altersgruppe. Die rapide Verbreitung von Smartphones und Tablets könnten jedoch die Verkäufe kurzfristig ankurbeln. Eigene E-Book-Stores für Kinder und Jugendliche gibt es bereits: Onilo.de, Schoolastic, Tigerbooks.

E-Books können im Vergleich zu Apps hochwertiger hergestellt werden, denn sie lassen sich zu einem höheren Preis verkaufen. Aber auch die Animation dieser Bücher kostet Geld und Animation wird bei digitalen Kinderbüchern mittlerweile erwartet. Tigerbooks bietet eine Antwort auf enhanced-Medien, also auf Bücher, die interaktive Elemente integriert haben, (Tigerbooks ab 2013 / Tigerfish Media / Verlag Oetinger).

Dennoch sollten sich alle Publisher und Verlage überlegen, wieviel Animation und ‘enhanced’ denn wirklich sein muss. Babys, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche reagieren ganz unterschiedlich auf mediale Reize. Laut Prof. Dr. Braus (HSK) bleibt keine Erfahrung ohne Spuren im menschlichen Gehirn zurück, ob positiv oder negativ. Das Lernen über Video bei Kleinkindern bringt zum Beispiel überhaupt keinen Profit. Bei Jungs zwischen 9 und 12 Jahren konnte man beobachten, dass diese an Lesekomptenz verlieren, wenn sie sich am Tag zu lange mit digitalen Medien beschäftigen. Kinder unter 13 Jahren haben größte Schwierigkeiten, die virtuelle Realität zu vergleichen. Auch Social Media wird bei Kindern unter 13 Jahren als sehr kritisch betrachtet, sie haben einen enormen Effekt auf die Entwicklung der Kinder. Man sollte sich also gut überlegen, ob eine Social Network-Anbindung bei Kinderbüchern und Apps überhaupt Sinn macht.

Und dann gibt es ja auch noch die Eltern, die besonders bei Kindern immer noch mitentscheiden, was heruntergeladen wird und was nicht. Eltern beurteilen in der Regel das gedruckte Medium immer positiv, bei digitalen Medien sieht das anders aus. Das größte Problem ist, dass Eltern sich zuwenig mit den digitalen Medien für Kinder und Jugendliche beschäftigten, die eigene fehlende Medienkomptenz bringt Unsicherheit in der Nutzung mit sich. Skepsis ist angesagt, daher können sich Eltern nur schwer mit digitalen Medien identifizieren, (Katrin Viertel, Medienlotse.com). Eine Investion in die Aufklärungsarbeit wäre vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht verkehrt.

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Überall hyperlokal

Credits: © Ruggiero Scardigno – Fotolia.com

Auf den Münchner Medientagen 2012 war die Veränderung der Medienlandschaft in der digitalen Welt wie immer eines der Hauptthemen. In den Verlagshäusern wird umstrukturiert, gespart und abgebaut. Und während dort alte Strukturen aufgebrochen und neue Geschäftsmodelle implementiert werden, so macht sich seit einigen Jahren im Lande eine neue Generation von Medienmachern auf den Weg, den angestammten Zeitungsverlagen die Leser wegzuschnappen bzw. in Ergänzung zu diesen zu treten. Und das machen sie gut: spitz, flink und kreativ.

Die Geschwindigkeit wie sich hyperlokale Angebote im Netz entwickeln ist erstaunlich. Der Hype begann vor ca. drei Jahren und setzt sich weiter fort. Die sublokalen Online-Auftritte im Web bieten redaktionell aufgemachte Berichte aus einem klar abgegrenzten Gebiet, einer Stadt, einer Gemeinde oder nur aus einer Straße. Sie sprechen eine spitze Zielgruppe an, und zwar den Bürger und die Werbetreibenden vor Ort.

Bestückt werden die Online-Auftritte von professionellen Redakteuren, aber auch von Bürgerreportern. Erstaunlich ist, dass viele dieser Angebote nicht von den klassischen Zeitungsverlagen ins Leben gerufen werden, sondern von Entrepreneuren, die ihre eigenen höchst kreativen Wege gehen. So zum Beispiel die „Prenzlauer Berg Nachrichten“ von Philipp Schwörbel. Der Jungunternehmer startete sein Onlineangebot im Jahr 2010 und erreicht bereits 22.000 Nutzer pro Monat (eigene Angabe). Um weiterhin unabhängig schreiben zu können, hat die Redaktion vor kurzem den „Freundeskreis Prenzlauer Berg Nachrichten“ gegründet. Bei diesem Freundeskreis können die Leser ab einem Beitrag von 1,50 € pro Monat Mitglied werden und somit die redaktionelle Arbeit unterstützen.

Ein weiteres interessantes Angebot das zu den hyperlokalen Angeboten gezählt werden muss, ist die Jungfrau Zeitung aus Interlaken in der Schweiz, die von Verleger Urs Gossweiler gegründet wurde. Die Jungfrau Zeitung beschreibt sich selbst als „radikal lokal“. Journalisten berichten über das Leben im Mikrokosmos Jungfrau, werfen aber auch einen Blick auf das Geschehen in der Welt. Stets aber aus lokaler Sicht. Ein weiteres Merkmal dieser „Zeitung“, sie ist konsequent multimedial. Sie erscheint Online, zweimal in der Woche auf Zeitungspapier, sie ist als iPad und iPhone-App erhältlich oder auf jedem Smartphone in einer HTML-Version abrufbar und hat einen Twitter und Facebook-Auftritt. Auf allen Online-Kanälen werden die Inhalte rund um die Uhr aktualisiert. Um die Jungfrau Zeitung konsequent multimedial zu halten, muss man sich von allen Zeitungsmachen-Strukturen verabschieden. Was zählt ist eine innovative technische Plattform, um schnell und effektiv alle Kanäle zu bespielen. Laut Urs Gossweiler dauert es keine fünf Sekunden, um eine Anzeige auf allen Kanälen abzubilden.

Im Sommer diesen Jahres setzte dann die Axel Springer Jorunalistenschule mit Zoom Berlin ein interessantes Anbebot ins Web. Die Jungjournalisten berichten über das Leben in einer Straße, und zwar der Oranienstraße in Kreuzberg. Eine Spielwiese für angehende Journalisten, die das Gespür für die wirklich wahre Dinge in einer Region entwickeln sollen. Unter dem Motto „Die Stadt. Eine Straße. Dein Leben.“ berichten sie über die Menschen, die dort seit langer Zeit oder auch erst kurz leben, beleuchten die geschichtsträchtige Vergangenheit der Straße im Berliner Stadtteil Kreuzberg, setzen sich mit aktuellen Problemen auseinander und laden über Facebook, Twitter und ein eigenes Blog ihre User ein, zusammen mit der Redaktion Visionen für die Zukunft der Straße zu entwickeln.

Um hyperlokal publizieren und Bürgerreporter unkompliziert in das Publizieren von Beiträgen zu versetzen, hat das Unternehmen Gogol Medien aus Augsburg eine spannende technische Lösung für die Arbeit in der Cloud entwickelt. Diese Lösung richtet sich vor allem an Verlage. Mit der Publishing Lösung werden zum Bespiel die hyperlokalen Angebote von Regional Media Austria wie www.meinbezirk.at mit mehr als 130000 Leserreportern oder mz-buergerreporter.de gepflegt. Um eine größtmögliche Abdeckung an lokalen Themen zu bieten, ohne jedoch einen immensen Personalaufwand betreiben zu müssen, müssen die Online-Angebote der Verlage für Leserreporter geöffnet werden. Martin Huber erklärte auf den Medientagen und in einer Pressemitteilung zum Start der MZ Bürgerreporter Plattform: „Leserreporter sind nicht Konkurrenz, sondern vielmehr eine wichtige Ergänzung zu professionellem Journalismus. Die Menschen vor Ort schreiben über das, was sie bewegt. Ihre ganz persönlichen Sichtweisen sind nicht nur spannend zu lesen. In der Gesamtschau ergibt sie auch ein erstaunlich exaktes Bild über die relevanten Themen der jeweiligen Region. Redakteure wiederum haben die Möglichkeit, diese Themen aufzugreifen, sie weiterzuentwickeln und professionelles Storys daraus zu machen.“ Interessant wird es laut Huber also dann, wenn sich der professionelle Journalist mit dem Amateurredakteur zusammentun.

Ob sich die hyperlokalen Angebote landesweit durchsetzen und monetarisieren werden, bleibt abzuwarten. Jedoch scheint es, dass diese Angebote derzeit die einzige sinnvolle Antwort auf immer weniger werdende lokale Beiträge in den Printzeitungen sind. So kann sich die RP Online ebenfalls eine Kooperation mit lokalen Bloggern vorstellen. Zwar will RP Online weiter der Informationshub für die Region sein, die Informationen könnten aber auch von anderer Seite kommen. So sollen laut der Panelisten auf den Medientagen 2012 die Zeitungsmacher “Gestalter des lokalen Marktes sein, aber nicht die Chronisten.” Oder wie Meinolf Ellers, Geschäftsführer dpa infocom, sagte: “Mit dem Mindset des klassischen Zeitungsmachens, macht man keine digitalen Medienprodukte.”

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Let’s go ePublishing!

Auf der jährlich stattfindenden Frankfurter Buchmesse sucht das gedruckte Buch seine Abnehmer. In diesem Jahr präsentierten 7300 Aussteller aus über 100 Ländern ihre Werke dem Fachpublikum und dem interessierten Laien. Und mittendrin entdeckt man die neue Welt der Bücher: eBooks & Apps!

In der Eröffnungsrede von Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, fand das Digital Publishing eine deutliche Stimme. „Es ist gut, dass die digitale Welt Einzug in die Buchbranche hält. Sie wird die analoge Welt ergänzen. Literatur entsteht in Wechselwirkung mit der Kultur ihrer Verbreitung.“

Das ist ein äußerst interessanter Aspekt, den Gottfried Honnefelder aufgreift. Es geht nicht um das Buch an sich. Es geht um den Inhalt, um den Text, um das literarische Werk. Und dieser Inhalt wird heutzutage von vielen Menschen bereits über viele andere Plattformen genutzt. Es entsteht nicht nur ein neuer Konsumkosmos, es entsteht auch eine neue Literatur. Und was besonders spannend ist, es entsteht eine neue Autoren-Economy. Autoren, die sich nicht mehr von Verlegern sagen lassen, ob ihr Buch “verkaufbar” sei oder nicht, Autoren vermarkten sich selbst und bringen ihre Werke über ePrint-Services auf den Markt.

Typische Print-Verlerger könnten jetzt natürlich verzweifeln, aber sie sollten es nicht. Die Aufforderung lautet vielmehr: Let’s go ePublishing! Lasst uns diese Welt mitgestalten! Seid offen für die Veränderung, arbeitet zusammen, setzt auf die Ausbildung eurer Mitarbeiter, investiert in Innovationen und bringt euer Know-how ein! In der Podiumsdiskussion “Lessons learned from digital publishing”, die auf der Frankfurter Buchmesse stattfand, waren diese Punkte deutlich zu hören.

Viele kleine Verleger sind nicht in der Lage, Schritt zu halten. Denn diese Entwicklung kostet Geld. Aber wer nicht investiert und mit seinen Angeboten auf den neuen Endgeräten wie TabletPC oder eReader präsent ist, verliert jeden Tag wertvolle Leser. Nun könnte man daraus aber auch eine Tugend machen und nach Inhalten im Netz suchen sowie diesen Inhalten in gedruckter Form eine neue Heimat bieten. Es gibt bereits erfolgreiche Beispiele wie ‘Shades of grey’, das zuerst als eBook im US-Markt veröffentlicht wurde oder ‘Holunderküsschen’ von Martina Gercke, das bislang meistverkaufte eBook 2012 bei Amazon. Auch dieser Titel ist jetzt als Print-Produkt im stationären Handel erhältlich.

Verlage haben noch die Beziehung zu ihren Autoren und diese Beziehung ist nicht zu unterschätzen. Die Beratung, ob ein Inhalt gedruckt oder digital zur Verfügung gestellt werden soll, muss heutzutage kompetent erfolgen. Was hilft es, wenn ein guter Inhalt in gedruckter Form im stationären Handel untergeht, aber über das Internet seine Abnehmer finden könnte? Mit Gewinn versteht sich.

Wenn im Jahr 2013 dann also nicht mehr die Frage im Vordergrund steht wie das gedruckte Buch gerettet werden kann, sondern wie man gute, intelligente Inhalte und hervorragende Literatur über verschiedene Wege an den Konsumenten bringen kann, dann wären wir einen Schritt weiter. Dann wäre auch der Kreativität in der Vermittlung von Inhalten neue Tore geöffnet. Denn ein eBook muss ja nicht unbedingt aussehen, wie ein gedrucktes Werk, oder? Kinderbücher sind in mancher Hinsicht schon ein wenig weiter, man betrachte zum Beispiel die Bemühungen des Carlsen Verlag. Dieser präsentierte auf der Buchmesse in Zusammenarbeit mit readhox interaktive epub-Kinderbücher mit integrierten Minispielen. Sie werden als App vermarktet und bieten Videos, Bilder und Spiele an. Vielleicht gibt es auch für Jugendliche bald eine Reihe, die nur für Tablets und Reader geschrieben wurde oder in einer App präsentiert werden. Die neue Welt des Digital Publishing kann noch richtig gut gestaltet werden und für Verlage gibt es noch unendlich viele Ansätze. Sie sollten nur nicht zu lange damit warten, sie sollten kreativ damit umgehen und sich nicht hinter gelernten Strukturen verstecken, denn Technologie- und Internetanbieter aus der ganzen Welt gestalten diese Welt bereits kräftig mit. Man betrachte derzeit die Entwicklungen von Apple oder Amazon. Apple wird Ende Oktober sein iPad Mini vorstellen, mit Schwerpunkt auf eBooks. Zeitgleich soll laut Gerüchten auch iBooks 3 mit erweiterten Funktionen wie Annotationen und weiteren Tricks vorgestellt werden. Zudem sollen im iPad Mini ein Multi-Mode Support für Audio- und Textbook Synchronisation zur Verfügung stehen. Und Amazon hat kürzlich den Start einer digitalen Leihbücherei verkündet. Ein toller Schachzug, um noch mehr Leser und insbesondere Kinder für eBooks zu begeistern. Amazon bindet zudem immer mehr Autoren an sich, indem das Unternehmen als Alternative zu klassischen Verlagen agiert und unbekannten Autoren eine Heimat bietet.

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