Auf zu neuen Ufern: Die Publishing Branche stellt sich dem digitalen Wandel

Auf der Contec, dem Base Camp für Global Publishing Trendsetters, die am Vortrag der  Frankfurter Buchmesse stattfand, war in diesem Jahr in vielen Sessions Aufbruchsstimmung zu spüren.  Wie es scheint, hat es der Buchmarkt geschafft, sich den Herausforderungen einer digitalisierten Welt anzunehmen und sich neuen Publishingmodellen und Vermarktungsformen zu öffnen. Das eBook wird zur Normalität im Verlagsgeschäft, Self Publishing Modellen und neuen Distributionskanälen steht man mittlerweile offen gegenüber. Natürlich gibt es auch viele Buchverlage, die nicht Schritt halten können, aber für große und mittlere Publisher eröffnen sich durch die Digitalisierung gerade neue Märkte, die es zu erobern gilt.

Auch wenn die Umsätze der Top 50 Publisher etwas zurückgegangen sind*, zeigen Publisher im mittleren Segment Umsatzsteigerungen und auch Publisher aus den Ländern China und Brasilien sorgen für Aufmerksamkeit in der Branche. Brasilien gilt für internationale Publishinghäuser sogar als „Wonderland“, in dem der Buchmarkt erst jetzt an Fahrt gewinnt.

In Brasilien tummeln sich aber nicht nur die großen internationalen Publisher, dort zeigt man unglaublich viel Kreativität, wenn es um die Finanzierung von neuen Büchern und unbekannten Autoren geht. Dort werden zum Beispiel neue Formen des Crowd Fundings ausprobiert wie die von Enrique Parrilla geführte Crowd Funding Platform Pentian.  Über Pentian erhalten Autoren die Gelegenheit ihre Buchprojekte vorzustellen, die von Investoren/Verlegern, genannt ‚Backers‘, unterstützt werden und so international publiziert und vermarktet werden können. Enrique Parrilla sprach auf der Contec von einem sehr hohen Interesse, sowohl von Seiten der Autoren als auch von Seiten der Investoren. Pentian hat bereits 6000 Bücher auf seiner Liste, die über die Crowd Funding Platform global distribuiert werden und kürzlich ist die Plattform auch im US-Markt gestartet, so dass nun auch verstärkt englischsprachige Autoren Pentian für sich nutzen können.

Graphic Recording: Anna Lehmann

Graphic Recording: Anna Lehmann

Investiert in neue digitale Publishingmodelle wird auch bei Harper Collins. CEO Brian Murray, der im Rahmen des CEO-Talks auf der Frankfurter Buchmesse im neugeschaffenen Business Club über seinen Launch in Deutschland und der kürzlich erfolgten Akquisition von Harlequin berichtete, brachte ebenfalls Aufbruchsstimmung und eine gesunde Haltung gegenüber dem angestammten Businessmodell mit nach Frankfurt. Murray sieht das gedruckte Buch nicht sterben, er sagte sogar, dass das gedruckte Buch noch für lange Zeit bleiben wird. Zudem sieht er keine Konkurrenz in Print und digitalen Erzeugnissen, er glaubt, dass Print und Digital bald gleichwertig nebeneinander stehen werden. Hierfür ist es aber wichtig, dass das Publishinghaus agil bleibt und sich Veränderungen offen und mit Innovationsbereitschaft gegenüberstellt, damit es so auch immer an vorderster Front mitmischen kann. Den großen Internetgiganten sollte man nicht das angestammte Verlagsgeschäft überlassen, daher braucht es Innovation und Mut für Experimente. Brian Murray fördert Innovationen inhouse und experimentiert mit neuen Bundling-Modellen. Er sagte, dass Buchverlage Bundling-Modelle anbieten könnten, so wie man sie zum Beispiel aus dem Bereich des Bezahlfernsehens oder dem Vertrieb von DVDs kennt.

Aber nicht nur die Publishingindustrie wandelt sich, auch die Buchläden stehen neuen Modellen offen gegenüber und wollen neues ausprobieren, um den Kunden zu begeistern. Ein Buchladen muss einfach nicht nur ein Buchladen sein, sagte zum Beispiel die Niederländerin Marga Kleinenberg, Librarian and Team Manager der De Nieuwe Bibliothek. Ein Buchladen kann mehr sein als ein Buchladen, er kann auch Showroom für den Autor sein und wie das geht, das zeigte Marga Kleinenberg an dem niederländische Modell der Nieuwee Bibliotheek in Almere.

Die Investition in kreative Leistungen, in Bücher und in Marketing, um neue Konsumenten zu erreichen und zu begeistern, das ist ein Weg, der jetzt eingeschlagen werden muss. Denn Konsumenten wollen begeistert und inspiriert werden. Ob digital oder analog. Kunden wollen die Wahl haben und sie entscheiden letzten Endes auch, was zukünftig nur noch digital gelesen und somit vertrieben werden muss, weil man ein Buch zum Beispiel als Taschenbuch gar nicht mehr „besitzen“ will. Andere Bücher will man digital und als gedrucktes Buch, andere will man gar nicht digital besitzen, die will man in der Hand halten. Bücher, die man nicht über einen eBook-Reader oder über ein Tablet per Flatrate liefern kann. Und auf der Buchmesse gab es davon unglaublich viele.

*Studie: The Global Ranking of the Publishing Industry 2014 

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