Die ansteigende und rege geführte Diskussion um LinkedIn und XING in meinem Netzwerk hat mich in Kontakt mit der Führungsebene von LinkedIn in Europa gebracht. Der Post wurde von LinkedIn wohl aufgenommen und nun von uns in einem Interview mit dem Europa-Chef der Social Networking Plattform, Ariel Eckstein, nochmal aufgegriffen – wobei man schnell zu neuen Einsichten in die Welt des Business Networking gelangt.
Martin Meyer-Gossner Herr Eckstein, wie reagieren sie auf unseren Blog-Beitrag, der das Thema Automatisierung vs. Konsolidierung vs. Migration in sozialen Netzwerken diskutiert?
Ariel Eckstein Wir sehen, dass sich Berufstätige auf Business-Netzwerken wie Linkedin anmelden, um sich mit interessanten Kontakten zu vernetzen. Sie tun das selbst dann, wenn sie nicht aktiv auf Jobsuche sind – und haben paradoxerweise Zugang zu einer viel größeren Anzahl an Arbeitsangeboten. Woher das kommt? Laut einer Studie von LinkedIn sind nur 17% der Berufstätigen aktiv auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Personalverantwortliche sind daher extrem interessiert an potentiellen Kandidaten, die derzeit nicht über einen Jobwechsel nachdenken – sich aber über Linkedin kontaktieren lassen. Damit dieser Mechanismus funktioniert ist natürlich eine kritische Masse an Mitgliedern notwendig – was wiederum Migration und Konsolidierung innerhalb der Netzwerke vorantreiben wird.
Martin Meyer-Gossner Welche Anforderungen stellen LinkedIn Nutzer an ihre Business-Netzwerk-Plattform?
Ariel Eckstein In erster Linie wollen unsere Mitglieder ihre beruflichen und privaten Netzwerke auseinander halten: In einer global angelegten Umfrage haben 81% der befragten Linkedin-Mitglieder angegeben, dass sie eine Trennung in berufliche und private soziale Netzwerke bevorzugen. Eine weitere wichtige Anforderung unserer Mitglieder ist die kostenfreie Nutzung des Netzwerks – aktuell haben etwa 90% eine Basis-Mitgliedschaft.
Unsere Mitglieder nutzen Linkedin…
- Um sich über Karrieremöglichkeiten auf dem Laufenden zu halten…
In einer Umfrage unter Linkedin-Nutzern gaben 79% der Befragten an, dass Linkedin die Plattform bietet, auf der sie ihren Online-Lebenslauf pflegen.
- Um sich Fachwissen anzueignen…
47% der Befragten sagten, dass sie Linkedin nutzen, um aktuelle Hintergrundinformationen zu bekommen und um sich über die neusten Trends der Industrie zu informieren.
- Um Entscheidungen schneller zu treffen…
89% unserer Mitglieder nutzen Linkedin, um andere Profile und Personen zu suchen, Nachrichten zu lesen und um Gruppen und Firmenseiten zu besuchen
Martin Meyer-Gossner Welche Trends stellen Sie im Verhalten der Mitglieder fest?
Ariel Eckstein Momentan erkennen wir drei wichtige Trends im Verhalten unserer Mitglieder.
- Nutzung von Unterhaltungselektronik: Vor allem unter Berufstätigen mit Bürojobs war schon immer eine heiße Liebe zu elektronischen Geräten verbreitet. Mit dem Einstieg der sogenannten Millennials ins Erwerbsleben breitete sich diese Begeisterung weiter aus und erfasste sogar die Geschäftsleitungsebene. Während sich die Neigung zur Nutzung neuer Technologien zunächst auf Handys und MP3-Player beschränkte, hat sich diese Neugierde inzwischen auf alle Arten von Internet-Inhalten übertragen. Die Nutzung von Social Media hat sich zur neuen Norm entwickelt, die in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen wird – und zwar über verschiedenste Plattformen hinweg, vom PC über das Tablet bis hin zum Smartphone.
- Die zunehmende Bedeutung von Onlineprofilen im Beruf und in der Personalakquise: Jüngere Generationen, allen voran die heutigen Universitätsabsolventen, erkennen die gestiegene Bedeutung beruflicher Profile im Web und wissen wie wichtig es ist, diese schon vor dem Berufsstart zu pflegen. Das Gleiche gilt für Personen, die sich mit der Zeit Expertenwissen in einer speziellen Nische angeeignet haben. Auch für sie wird eine Online-Identität immer wichtiger, um sich im Markt von Konkurrenten abzuheben.
- „Datenverarbeitung“ als neue Fertigkeit: Es kommen immer mehr Informationen über immer mehr Kanälen bei uns an. Diese müssen bearbeitet und priorisiert werden. Unsere Mitglieder wollen Technologien, die sie bei diesen Tätigkeiten unterstützen – und ihnen Zeit geben, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren.
Martin Meyer-Gossner Danke für die Einblicke, Herr Eckstein.
Ariel Eckstein ist Managing Director von LinkedIn EMEA und verantwortlich für die Entwicklung und Ausführung der Firmenstrategie, sowie der Durchführung von Wachstumsinitiativen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Zuvor war Ariel als Director der Rekruiting Business Lösungen in EMEA tätig. Vor seiner Tätigkeit bei LinkedIn arbeitete er als Vice President of Business Expansion für AOL Europe.
PS: Wenn jetzt noch XING sich äußert, haben wir ein schönes Bild für Europa’s Business Networking.
Was bisher passierte (wir wechseln mal die Umgebung von Xing hierher)
Michael M. Roth Und was verbindet beide? Die Persönlichkeit eines Menschen. Private Dinge dürfen gerne privat bleiben. Nur: Persönlichkeit ist im privaten wie im beruflichen Leben gefragt. Das erkennen nach und nach auch Unternehmen, bei denen persönliche Meinung, eine Namensnennung nicht nur gestattet werden, sondern zunehmen erwünscht sind. Und umgedreht im Bereich der (ehemals rein) privaten Netzwerke: Warum soll ich meine persönliche Meinung nicht auch öffentlich einsehbar machen, wenn ich dazu stehe?! Wir befinden uns da wirklich in einer sehr spannenden Zeit und Übergangsentwicklung.
Martin Meyer-Gossner Sie bringen mich mit diesem Kommentar auf eine gute Idee. Es ist wahrlich schwierig für manche Menschen den Grund für eine “öffentlichen Persönlichkeit” zu verstehen. Die Transition in eine digital-publike Welt dauert für den einen länger und für den anderen ist sie lange da. Die Entmystifizierung der Gründe liefert für viele Menschen nur eine ROI-Veranschaulichung…
Michael M. Roth Ich bin sehr gerne Ideengeber bzw. Inspirator
Ich denke, eine Kunst oder Herausforderung besteht auch immer wieder darin, sich in das Motivationsgeflecht der anderen Seite, die auch “nur” ein Mensch ist, hineinzuversetzen. Menschen bedürfen es, abgeholt zu werden. Samt ihres aktuellen Entwicklungs- und Erkenntnisstandes. Das ist nicht nur bei Kindern so. Wenn wir also selbst (ein-)sehen, dass wir ein Bedürfnis nach einer “Abholung” haben, warum sollten wir dann nicht so mutig sein und uns selbst auf den Weg machen, um andere Menschen abzuholen?!
Michael M. Roth Xing hat hier eine unvorteilhafte Zeichenbegrenzung (600 oder sowas), daher setze ich durch erneute Eingabe fort. Ich wollte noch etwas zum ROI sagen. Dieser Anspruch oder Ansatz lässt sich ebenso auf einen öffentliche und private Umgebung beziehen. Denn egal ob wir Unternehmer sind bzw. als solcher agieren oder einfach nur als Mensch unter Freunden und Bekannten: Für das, was wir geben, möchten wir gerne etwas zurück haben. An vielen Stellen im Leben gilt dieser Ansatz also nicht für EUROs, sondern auch für ideelle Werte, Begegnungen, Handlungen und Gesten (Bitte, Danke usw.).
Martin Meyer-Gossner Kommentieren Sie das doch einfach mal mit Copy-and-Paste als Kommentar beim Blog. Dann antworte ich darauf nochmal…
And here we are
Das Prinzip “Eine Hand wäscht die andere” muss man eben nicht immer nur mit finanziellen Mitteln “abholen”. Wer das Business der Neuzeit richtig versteht, wird Business Networking als Management-Training der Zukunft verstehen. Unter wer da in Zukunft in der Führungsetage abgeholt werden will, muss den Satz “Non scholae sed vitae discimus!” als Leitmotiv neuzeitlichen Lebensstil annehmen, auch wenn es noch so viel Zeit kostet. Es wird sich langfristig auszahlen, soviel kann ich defintiv sagen…
Nach solchen, tiefsinnigen philosophischen Statements kann ich ja kaum noch nachlegen
Aber das stimmt natürlich, wir lernen für das Leben. Allein schon um unser externes Netzwerk zu pflegen, müssen wir unser internes, neuronales trainieren. Es ist somit einerseits ein bisschen Selbstzweck, aber gleichzeitig natürlich noch viel, viel mehr darüber hinaus.
Ich bin übrigens der Michael, und ich halte es so wie der (Jürgen) Domian. Mein persönlicher Prototyp des guten Menschen. Aber dies nur am Rande. Gestern hatte er eine Anruferin, sie war irgendwas über 70. Sie sietzte ihn, worauf er ihr anbot, ihn zu dutzen, was sie gerne annahm. In der Folge fragte er ganz höflich, ob er sie denn nun auch dutzen dürfte, was sie bestätigte. Ich fand das sehr putzig. Sie dürfen also auch gerne DU zu mir sagen
Mein Vater ist Professor Dr. Dr., soweit habe ich es noch nicht geschafft, auch wenn ich mich manchmal so anhöre
In seiner Generation war das sicher noch anders. Das hat aber mitnichten etwas mit dem Abbruch der Wertschätzung des anderen Menschen zu tun, mit dem man kommuniziert. Gerade in diesem Punkt ist meine eigene Welt- und Werteanschauung doch sehr stark an Artikel 1 des Grundgesetztes angelehnt.
Wir sind vielleicht etwas vom Thema abgeschweift, hat mir trotzdem Spaß gemacht, ein wenig mit Ihnen zu philosophieren
Alles Gute weiterhin, und unsere Wege werden sich bestimmt noch einige Male kreuzen, dafür sind wir beide einfach zu netz-affin.